Die Milliarden hinter dem Turnier
Die FIFA rechnet mit zahlungskräftigen Gästen. Nach Schätzungen des Weltverbands gibt ein Besucher während des Turniers durchschnittlich 416 US-Dollar pro Tag aus (rund 360 Euro). Zudem geht die FIFA davon aus, dass Touristen im Schnitt zwölf Tage bleiben und zwei Spiele besuchen. Der Besucherstrom werde wirtschaftliche Impulse in Milliardenhöhe auslösen, von denen Hotels, Restaurants, Verkehrsunternehmen und der Einzelhandel profitierten.
Doch was bleibt, wenn die Fans wieder abgereist sind? Während kurzfristige wirtschaftliche Effekte als wahrscheinlich gelten, seien langfristige positive Folgen deutlich schwerer nachzuweisen, sagte Schmude. Als positives Beispiel verweist er auf das «Sommermärchen» 2006 in Deutschland. Die WM habe zu einem messbaren Imagegewinn geführt, der sich auch im Tourismus niedergeschlagen habe. Solche Entwicklungen ließen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf andere Gastgeberländer übertragen.
Ein Schaufenster für die USA
Die WM ist für die Gastgeber nicht nur ein Sportereignis, sondern auch eine Werbeplattform. Die FIFA sieht in dem Turnier die Chance, die Austragungsorte weltweit als Reiseziele bekannt zu machen. Das Turnier konzentriert sich vor allem auf die USA: Elf der 16 Austragungsorte liegen dort, darunter einige der bekanntesten Metropolen des Landes wie New York/New Jersey, Los Angeles und Miami.
Trotz eines Rückgangs der Besucherzahlen waren die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) das beliebteste Fernreiseziel der Deutschen. Auf Grundlage der bisherigen Buchungszahlen dürfte das auch in diesem Jahr so bleiben.
Der große Ansturm bleibt aus
Wie viele Reisende aus Deutschland eigens wegen der Fußball-WM nach Nordamerika fliegen, kann der DRV nicht beziffern. Ein Buchungsboom ist aber nicht erkennbar. Die Nachfrage nach USA-Reisen im Veranstaltermarkt bleibe für den Sommer unter dem Vorjahresniveau. Zwar habe sich der Rückgang zuletzt abgeschwächt, von einer Trendwende spricht der Verband jedoch nicht.
Der Branchenzweite Dertour verkauft keine Reisepakete inklusive WM-Tickets. Wer bereits Eintrittskarten besitzt, kann sich jedoch individuelle Angebote zusammenstellen lassen. Nach Angaben des Unternehmens konzentriert sich die Nachfrage derzeit vor allem auf solche Reisen. Gefragt seien insbesondere Kombinationen aus Flügen, Hotels und zusätzlichen Aufenthalten in Nordamerika. Die Nachfrage entwickle sich stabil.
«Wir sind das gastfreundlichste Land der Welt»
Die Berichterstattung über die politische Lage sowie Meldungen über Probleme bei der Einreise in die USA hätten bereits im vergangenen Jahr für Verunsicherung bei Reisenden gesorgt, teilte Dertour mit. «Entsprechend ist weiterhin eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten.»
Der US-Tourismusbeauftragte sieht dafür keinen Anlass. Wer rechtzeitig eine ESTA-Genehmigung beantrage, könne mit einer reibungslosen Einreise rechnen, sagte Adams. 99,9 Prozent der Besucher würden herzlich empfangen. «Wir sind das gastfreundlichste Land der Welt.»
Anders als klassische Urlauber ließen sich Fußballfans von politischen Entwicklungen oder internationalen Krisen häufig weniger beeinflussen, sagte Tourismuswissenschaftler Schmude. Bei ihnen stehe das Erlebnis im Vordergrund. «Wer unbedingt Lionel Messi spielen sehen möchte, lässt sich von geopolitischen Spannungen meist nicht von einer Reise abhalten.»