Lücke in Klimaschutz-Finanzierung auch 2024?
Nach Rechnung der AfD müssen sie bis dahin noch ein Loch von 19 Milliarden stopfen. Dieses Geld fehle nach dem Karlsruher Urteil bereits im nächsten Jahr. Die Ampel-Koalitionäre haben im Klima- und Transformationsfonds, auf das sich das Urteil unmittelbar bezog, für 2024 eine Lücke von 18,5 Milliarden ausgemacht.
Doch das halten sie nicht für allzu problematisch: Die Mittel flössen ohnehin nie so gut ab wie geplant. Durch realistischere Planung könne man viel rausholen - und durch Schwerpunkt-Setzung, über die es noch Debatten geben werde.
Die in der Nacht zum Freitag getroffenen Beschlüsse - darunter 80 Millionen mehr für die Freiwilligendienste, 150 Millionen fürs Bafög, 500 Millionen mehr für internationalen Klimaschutz, 700 Millionen mehr für humanitäre Hilfe und mehr Geld für Long-Covid-Forschung - sieht die Ampel aber nicht in Gefahr.
«Wenn es nach uns geht, ist das Ding durch», sagte Fricke. Die Etats der Ministerien müssten nicht mehr verändert werden - egal, wie das Karlsruher Urteil zu interpretieren sei.
Keller und Wände fertig, Dach fehlt
Die Ampel sieht es so: Alle Bereiche des Haushalts, die von dem Urteil betroffen sein könnten, habe man erstmal ausgeklammert und auf die kommende Woche verschoben. Dabei gehe es vor allem um die Sondervermögen, sagte SPD-Chefhaushälter Dennis Rohde.
Das sind wirtschaftlich vom Kernhaushalt getrennte Töpfe, aus denen meist langfristige Investitionen gestemmt werden. Fricke vergleicht den Haushalt mit einem Hauses im Bau: Keller und Wände seien fertig. «Aber das Dach, das müssen wir jetzt erst noch machen.»
Dass eine Lösung für die Klimaprojekte her muss, betonen die Ampel-Politiker unisono. «Das Bundesverfassungsgericht hat gesagt, wie es nicht geht. Wir haben jetzt die Aufgabe zu zeigen, wie es geht», sagte Grünen-Chefhaushälter Sven-Christian Kindler. Davon hingen auch Hunderttausende Arbeitsplätze ab.
Schuldenbremse soll trotzdem halten
Die einfachen Lösungen, mehr Schulden aufzunehmen oder Steuern zu erhöhen, hätten bei dem ein oder anderen Koalitionspartner wohl durchaus Fans - sind im Zusammenspiel von SPD, Grünen und FDP aber nicht durchsetzbar. Die Schuldenbremse sei Grundannahme aller Entscheidungen, betonte Fricke.
Nach Angaben von AfD-Haushälter Peter Boehringer soll der mögliche Kreditrahmen ohnehin vollständig ausgenutzt werden. Wegen der schlechten konjunkturellen Lage seien für 2024 neue Kredite von knapp 22 Milliarden Euro zugelassen. «Und diese dann 22 Milliarden hat die Koalition gestern in der Bereinigungssitzung komplett abgeräumt», sagte Boehringer.
Union: Haushaltspolitik auf der Titanic
Unions-Haushälter Haase kritisierte, die Ampel-Fraktionen hätten in der Sitzung «noch mal einen ordentlichen Schluck aus der Pulle genommen». «Wir haben zusammengerechnet, dass die Ampel gestern 32,5 Milliarden mehr Ausgaben beschlossen hat.»
Die Koalitions-Haushälter halten dagegen, das könne man vor Abschluss des Etats noch gar nicht seriös beziffern. Zudem seien auch Kürzungen beschlossen worden. So seien zum Beispiel Mittel für Informationstechnik in die Zukunft verschoben und schlecht ablaufende Gelder für den Digitalfunk gesenkt worden.
Trotzdem sieht sich die Union schon auf die Titanic versetzt. «Wir sind vor den Eisberg gefahren - das ist das Verfassungsgerichtsurteil», sagte Haase. «Jetzt spielt die Kapelle und wir warten darauf, dass am nächsten Donnerstag das letzte Stück gespielt wird.»