Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass eine Zinserhöhung nicht die Hauptursache der Inflation bekämpfen würde – denn ein Ende der Energiekrise ist erst bei einer dauerhaften Lösung der verzwickten Situation in der Straße von Hormus absehbar. Die Meerenge ist für den globalen Energiehandel von immenser Bedeutung. Durch das derzeit knappe Angebot müssen Firmen viel mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Eine voreilige Zinserhöhung könnte überhastet wirken, während der gleichbleibende Leitzins der Notenbank mehr Zeit für weitere Indikatoren einräumt.
Warsh priorisiert Kampf gegen Inflation
Der neue Fed-Chef hatte sich zuvor angesichts der vergleichsweisen hohen Teuerungsrate kämpferisch gezeigt. «Die Mitglieder unseres Ausschusses tolerieren keine anhaltend hohe Inflation», sagte er Mitte Juli. Warsh gilt als «Inflation Hawk» und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation zu bekämpfen. Warsh hatte zudem eine Sondereinheit angekündigt, die den «Ursachen» der Inflation nachgehen soll.
Beim vergangenen Zinsentscheid im Juni hatte die Fed für das laufende Jahr zumindest kein schnelles Abflauen der Inflation erwartet. Für 2026 rechnet sie mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent, was deutlich mehr ist als noch kurz nach Beginn des Iran-Kriegs angenommen. 2027 sehen die Fed-Prognosen dann 2,3 Prozent vor. Das würde zumindest mehr Raum für Diskussionen über einen gelockerten geldpolitischen Kurs eröffnen.
Gibt es 2026 überhaupt noch Bewegung?
Mittlerweile scheint die Notenbank mit Blick auf eine straffere Geldpolitik aufgeschlossener zu sein: Im Juni erwarteten 9 der 18 befragten Fed-Mitglieder im laufenden Jahr mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Von diesen können sich sechs eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Acht weitere Mitglieder rechnen dagegen für das Gesamtjahr mit einer Zinspause. Nur ein einziges Mitglied erwartet einen Zinsschritt nach unten.
Die Projektionen sind Einschätzungen des siebenköpfigen Fed-Vorstands und der zwölf Regionalbankpräsidenten in Bezug auf die Entwicklung von Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinspolitik. Noch im März rechnete niemand mit einer strafferen Geldpolitik. Beobachter erwarten derzeit eine Zinserhöhung im September.
Angst vor politischer Einflussnahme
Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Notenbank das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden.
Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich unabhängigen Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfälscht werden, das Vertrauen der Anleger in die Fed könnte erodieren. Mit der heutigen Entscheidung dürfte die Fed erneut Trump verärgern.
Anders als Trump es gerne verkürzt darstellt, entscheidet Warsh als Vorsitzender keineswegs im Alleingang. Stattdessen stimmt der Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen über den weiteren geldpolitischen Kurs ab.
EZB legte nach Erhöhung erstmal Pause ein
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre Zinsen trotz anhaltender Inflationsgefahren zuletzt unverändert gelassen. Nach der ersten Anhebung seit fast drei Jahren im Juni entschied sie sich, den für Banken und Sparer im Euroraum wichtigen Einlagenzins bei 2,25 Prozent zu belassen. Eine weitere Anhebung könnte im September folgen, wenn der EZB neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen.