Unicredit wirft der Commerzbank vor, zu sehr auf kurzfristigen Erfolg zu setzen und strukturelle Schwächen zu haben. Was die Italiener jetzt fordern - und wie das Frankfurter Institut reagiert.
Die Commerzbank-Großaktionärin Unicredit hält den Übernahmekampf mit grundsätzlicher Kritik am Geschäftsmodell des Dax-Konzerns am Leben. Die Commerzbank schreibe seit Jahren eine «Geschichte operativer Underperformance» und sei gemessen an ihren Fundamentaldaten inzwischen überbewertet, schreibt die Unicredit in einer aktuellen Präsentation mit dem Titel «Commerzbank. Ein neues Kapitel». Das Frankfurter Institut weise strukturelle Schwächen auf, so die Analyse der Unicredit. Die Commerzbank reagierte ablehnend.
Unicredit-Chef Andrea Orcel betonte in einer Telefonkonferenz: «Die Entscheidung ist einfach: entweder den derzeitigen Kurs der anhaltenden Underperformance fortsetzen oder durch eine Transformation neue Wege beschreiten. Von Plan zu Plan überleben oder die Bank fit machen für die Zukunft.» Der derzeitige Kurs der Commerzbank werde «mittelfristig ihr Überleben gefährden», prognostizierte Orcel.
Unicredit: Commerzbank auf kurzfristigen Erfolg konzentriert
«Unicredit ist als bedeutender Aktionär der Ansicht, dass die Commerzbank auf zukünftige Herausforderungen unzureichend vorbereitet ist und sich zu sehr auf kurzfristigen Erfolg konzentriert», teilte das italienische Geldhaus mit.
In ihrer Präsentation spielt die Unicredit zwei Szenarien durch: Zum einen eine weiterhin eigenständige Commerzbank, die dann bis 2028 sehr viel sparen und sich stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren müsste, zum anderen einen Zusammenschluss mit der Unicredit beziehungsweise deren deutscher Tochter Hypovereinsbank (HVB) mit einem Zeithorizont bis 2030.
Nach Dafürhalten der Unicredit sollte die Commerzbank in jedem Fall ihren Fokus auf Deutschland und Polen verstärken und gleichzeitig ihre internationalen Aktivitäten zurückfahren. Letztere seien «überdimensioniert,
fragmentiert, risikoreicher, operativ komplex und ineffizient», meint Unicredit.
Sollte es zu einer Übernahme kommen, würde nach Angaben Orcels die eigentliche Integration, Zusammenführung oder Fusion frühestens im Jahr 2029 beginnen.
Commerzbank lehnt Unicredit-Ideen ab
Die Commerzbank wies die Ideen des Mailänder Instituts zurück. Was Unicredit am Morgen präsentiert habe, sei ein «Versuch, das erfolgreiche Geschäftsmodell der Commerzbank aufzubrechen, jedoch kein glaubwürdiger Plan zur Wertsteigerung», schrieb der Frankfurter Dax-Konzern am frühen Abend. Er warf dem italienischen Institut eine «anhaltend feindliche Taktik und irreführende Darstellungen» vor.