Wer ist der Mann, der in Sachsen-Anhalt die erste AfD-Regierung in Deutschland anführen will? Was Ulrich Siegmund ausmacht und wie er im Wahlkampf auftritt.
Egal, wo Ulrich Siegmund im Wahlkampf hinkommt – die Schlange ist lang. Geduldig warten die Menschen auf ein Foto mit dem AfD-Politiker. Siegmund umarmt, Siegmund lächelt, Siegmund sagt ein paar nette Worte. Während viele Politiker in Deutschland wütend beschimpft werden, gibt der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt seinen Anhängern mit einfachen Mitteln ein gutes Gefühl – konkrete Inhalte sind eher selten Thema. Und wenn andere sie hinterfragen, bleibt er zwar nicht sein Dauerlächeln, aber oft Antworten schuldig.
Der Mann wird in Sachsen-Anhalt gefeiert wie ein Politik-Popstar. Das hat zum einen mit der Corona-Pandemie zu tun – als das Leben still stand, baute Siegmund seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken immer weiter aus und sammelte mit seiner Kritik an den Eindämmungsmaßnahmen mehrere Hunderttausend Follower ein.
Bewusst gewählte Worte
Zum anderen ist der 35-Jährige rhetorisch beschlagen. Er kann im Parlament hart gegen die Konkurrenz austeilen und im nächsten Moment einer Seniorengruppe ein Kompliment machen, um ihnen zu schmeicheln – Siegmund wählt seine Worte stets bewusst.
An den Infoständen auf Marktplätzen und bei Bürgerdialogen versucht er bei seinen Anhängern vor allem das Gefühl zu bestärken, dass man mit «gesundem Menschenverstand» die vorherrschende Situation in Deutschland bei der Migration, bei der Energiepolitik oder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur schlimm finden könne. Bei Simson-Ausfahrten werden zum Wir-Gefühl dann noch schöne Clips produziert. Das alles soll dabei helfen, dass er nach der Landtagswahl am 6. September eine Alleinregierung der AfD anführen kann. In den Umfragen liegt die Partei weit vor der CDU.
Von der CDU zur AfD
Als junger Erwachsener war Siegmund kurz CDU-Mitglied, danach setzte er auf die AfD. 2016 gelang ihm der Sprung in den Landtag, seit August 2022 führt er die Fraktion gemeinsam mit Oliver Kirchner als Co-Vorsitzender.
Einige Monate später geriet Siegmund erstmals stärker in die Kritik. Er hatte im November 2023 an einem Treffen in Potsdam teilgenommen, bei dem der frühere Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung, Martin Sellner, über «Remigration» sprach. Der Landtag von Sachsen-Anhalt berief Siegmund daraufhin als Vorsitzenden des Sozialausschusses ab.
In der Vetternwirtschaftsaffäre mittendrin
Auch bei der AfD-Vetternwirtschaftsaffäre vor ein paar Monaten war Siegmund mittendrin. Siegmunds Vater soll als Mitarbeiter im Bundestagsbüro eines AfD-Parteikollegen laut Medienberichten zeitweise mehr als 7.500 Euro monatlich erhalten haben. Die aufgekommene Kritik, auch an anderen Überkreuzbeschäftigungen in der AfD, versuchte er damit zu entkräften, dass man auf Leute setze, denen man vertrauen könne.