Vielen deutschen Industrieunternehmen geht es seit Jahren nicht gut, doch zwei Branchen sind ausgenommen: Rüstung und Luftfahrt. Der Triebwerksbauer MTU floriert.
Ungeachtet der unsicheren Weltlage meldet der Triebwerkshersteller MTU einmal mehr erfolgreiche Geschäftszahlen: In den ersten Monaten stieg der Umsatz des Münchner Dax-Konzerns um 13 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro, der Nettogewinn legte um 4 Prozent auf 751 Millionen Euro zu. Obwohl die zivile Luftfahrt in diesem Jahr unter den Auswirkungen des Irankriegs und hohen Kerosinpreisen leidet, schlägt das bisher nicht auf MTU mit seinen weltweit 14.000 Mitarbeitern durch - eine Folge der langen Vorlaufzeiten in der Luftfahrtindustrie. Vorstandschef Johannes Bussmann hob die Prognose für dieses Jahr sogar leicht an.
MTU profitiert von vollen Auftragsbüchern der Flugzeughersteller
Die Kunden sind hauptsächlich Airbus und Boeing. Zwischen Bestellung und Auslieferung eines Flugzeugs vergehen Jahre. Da die beiden großen Flugzeughersteller jeweils noch mehrere tausend Bestellungen abzuarbeiten haben, ist auch MTU gut ausgelastet. «Insofern sind das natürlich Dinge, die von den kurzfristigen Effekten wenig beeinflusst sind», sagte Bussmann. Der Auftragsbestand bei MTU lag Ende September bei knapp 30 Milliarden Euro, ebenso hoch wie ein Jahr zuvor.
Zweistelliges Wachstum in allen Bereichen
MTU entwickelt Triebwerke nicht allein, sondern in Kooperation mit einer Reihe von Partnern, vor allem dem US-Hersteller Pratt & Whitney. Die kleine Militärsparte baut und wartet unter anderem die Triebwerke der Eurofighter. Sowohl das zivile als auch das militärische Geschäft liefen gut, in der Zivilsparte jedoch vor allem Wartung und Instandhaltung. Für das ganze Jahr erwartet MTU in allen vier Bereichen - ziviles Neugeschäft, Ersatzteile, Wartung sowie Militärsparte - Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich. Bisher hatte MTU für das Gesamtjahr Umsätze von 9,2 bis 9,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, nunmehr sollen es am unteren Ende mindestens 9,5 Milliarden werden. Dabei hilft vor allem der Dollar-Wechsel, da die US-Währung im Jahresverlauf etwas stärker geworden ist.