Bange Blicke in Richtung Zapfsäulen - am 1. September läuft der Tankrabatt aus. Nach drei Monaten endet die Entlastungsmaßnahme. Was hat sie gebracht und müssen Autofahrer nun den Preis-Hammer befürchten?
- Der Tankrabatt läuft zum 1. September aus
- Deutlicher Preissprung an den Zapfsäulen erwartet
- Warnungen vor Missbrauch durch Tankstellen und Öl-Multis
- Forderungen nach Fortsetzung werden lauter
Am Donnerstag dürften Deutschlands Autofahrer mit einem mulmigen Gefühl an die Tankstellen fahren. Denn da endet der Tankrabatt, der drei Monate lang für günstigere Benzin- und Dieselpreise sorgen sollte. Doch was bedeutet das Ende der Maßnahme genau für die Verbraucher? Und kommt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag der Preis-Schock an den Zapfsäulen?
Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket - Massive Entlastung für Pendler
Von 1. Juni bis 31. August dieses Jahres wurde die Energiesteuer auf Benzin und Diesel gesenkt. Mit dieser Maßnahme wollte die Bundesregierung die massiven Belastungen abfedern, die durch den Preisschub bei Kraftstoffen infolge des Ukraine-Krieges auf die Verbraucher zurollten. Konkret bedeutete dies einen Rabatt auf den Energiesteuersatz von 29,55 Cent pro Liter für Benzin und von 14,06 Cent pro Liter für Diesel. Dies ist das von der EU geforderte Mindestmaß. Genauso wie beim Neun-Euro-Ticket sollten vor allem Pendler von niedrigeren Preisen profitieren.
Die Preise könnten mit dem Ende der Maßnahme wieder deutlich steigen - rechnerisch um etwa 35 Cent für Benzin und 17 Cent für Diesel. Dieser Anstieg könne Punkt Mitternacht sprunghaft erfolgen, meinte unter anderem der Vorstandsvorsitzende des Verbandes des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost, Hans-Joachim Rühlemann, gegenüber der Bild am Sonntag. Der ADAC rechnet hingegen eher mit einem schleichenden Aufwärtstrend, weil auch Tankstellenbetreiber durch den Rabatt günstiger einkaufen. Deshalb sei davon auszugehen, dass sie ihre Treibstofftanks vor dem 1. September noch auffüllen und Benzin sowie Diesel zunächst weiter vergünstigt abgeben, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
Ob der Tankrabatt den Verbrauchern etwas gebracht hat, lässt sich nicht abschließend sagen - denn für eine Bewertung ist es noch zu früh. Momentaufnahmen vom Juni zeigen immerhin, dass Tankstellenbetreiber den Rabatt zu 100 Prozent an die Kunden weitergeben haben. Dies bestätigten unter anderem Studien des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in München (ifo-Institut) und der Fernuniversität Hagen. Damit scheint Treibstoff für die deutschen Autofahrer immerhin günstiger geworden zu sein - ob er aber wirklich billig war, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Benzin- und Dieselpreise waren auch zu Tankrabatt-Zeiten starken Schwankungen ausgesetzt und damit mal höher und mal niedriger.
Günstiger ja, billig jein - Gemischte Bilanz zum Tankrabatt
Einen unangenehmen Nebeneffekt hatte der Tankrabatt aber auf jeden Fall für Diesel-Fahrer. Denn mit der Maßnahme entfiel das Dieselprivileg, also eine günstigere Energiesteuer für den eigentlich schmutzigeren Kraftstoff. Zusätzlich zu einem geringeren Angebot an Diesel durch eine gestiegene Nachfrage nach Heizöl führte das zu einem interessanten Phänomen: Diesel war an den Tankstellen stellenweise teurer als Benzin.
Kurz vor dem Ende des Tankrabatts befürchten Experten aber einen möglichen Missbrauch der Vergünstigung durch Tankstellenbetreiber und Öl-Multis. "Offensichtlich verschaffen sich Mineralölkonzerne bereits wieder ein gewisses Polster", sagte ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand der Bild am Sonntag mit Blick auf wieder steigende Spritpreise. Auch die Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Ramona Pop, kritisierte, der Wettbewerb im Kraftstoffmarkt funktioniere nur eingeschränkt: "Das Kartellamt muss deshalb genau prüfen, ob sich die Mineralölkonzerne nicht ungerechtfertigt bereichern und gegebenenfalls Bußgelder aussprechen." Tatsächlich hat sich der Chef des Kartellamts, Andreas Mundt, bereits für zuständig erklärt. So bestätigte er gegenüber dem Blatt, man werde "ganz genau hinsehen, was passiert, wenn die Steuerermäßigung zum 1. September wegfällt."
Der Preisschock ist ja schon lange da. Rohölpreis unter 92 Dollar, selbst wenn man den schwachen Euro berücksichtigt ist der aktuelle Spritpreis mit Tankrabatt 30 Cent, ohne 50 Cent zu hoch. Dazu passt auch die Meldung das z.B. Shell den Gewinn zum 2. Quartal fasst verfünffacht hat (2. Quartal 2021 - 3,47 Mrd. €, 2. Quartal 2022 - 18,04 Mrd. €). Da kann man noch so lange hochbezahlte Leute den Spritpreis zwischen Deutschland und Frankreich vergleichen lassen (es könnte ja evtl. sein das die Franzosen auch abgezockt werden...)