Bedeutung der LNG-Terminals
Gasspeicher sind ein Puffer für Engpässe bei der Gasversorgung. Eine große Bedeutung haben aber inzwischen Terminals an Nord- und Ostsee, an denen Flüssigerdgas (LNG) ankommt. «Die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa ermöglicht neben der bestehenden und sicheren Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe nach Deutschland», sagte eine Sprecherin von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU).
Mit den vorhandenen deutschen Importterminals für Flüssigerdgas (LNG) könnte man in den kalten Monaten November bis März etwa 16 Prozent der Nachfrage decken. Das entspreche 32 Prozent der Kapazität der deutschen Erdgasspeicher.
Die Terminals gewährleisteten das ganze Jahr eine sehr flexible Möglichkeit, Gas zu importieren. «Das führt dazu, dass Gasspeicher relativ gesehen an Attraktivität verloren haben zur Sicherstellung der Gasversorgungssicherheit.» Das Ministerium habe bei der Füllung der Erdgasspeicher klar auf den Markt gesetzt. Eine Verordnung schreibt bestimmte Füllstände vor.
Gasspeicherfüllstand nicht alleine relevant
Der sogenannte Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe habe anders als während der Energiepreiskrise 2022 – nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine – nicht eingreifen und die Speicher befüllen müssen. Dies hätte zusätzliche Kosten für Gaskunden beziehungsweise die deutschen Steuerzahler bedeutet. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs war Deutschland noch stark abhängig von russischem Gas.
Von der Bundesnetzagentur hieß es, der Gasspeicherfüllstand sei ein wichtiger Indikator für zusätzlich verfügbare Versorgungsabsicherungen - jedoch sei er nicht alleinig relevant. «Deutschland verfügt über ausreichende Import- und Speichermöglichkeiten.» Die Gaspreise bewegten sich in einem stabilen, wenn auch leicht ansteigenden Korridor, was für die Jahreszeit und Witterung aber nicht ungewöhnlich sei. «Diese Stabilität ist darauf zurückzuführen, dass es am Weltmarkt ausreichend Gas gibt, das unter anderem über die LNG-Terminals importiert werden kann. Insofern gehen wir aktuell von einer gesicherten Gasversorgung aus.»
Forderung nach Gasreserve
EWE-Chef Dohler mahnt zu mehr Vorsorge. «Es wäre gut, jetzt darüber zu sprechen, welche Instrumente es gibt, die einerseits den Markt halten, andererseits aber auch ausreichende Sicherheit schaffen für besondere Ereignisse. Das sollte jetzt in diesem Jahr passieren.» Der Manager schlägt etwa die Schaffung einer nationalen, strategischen Gasreserve vor – ähnlich wie es sie für Erdöl gibt.
Dohler verweist etwa auf Österreich, das so eine Gasreserve hat. «Dort wird bewusst Gas als Puffer eingespeichert, was nicht angetastet wird, und nur für Notfälle zur Verfügung stehen sollte.» Eine staatliche Stelle regele dort über Ausschreibungen die Befüllung von Speichern in einem bestimmten Volumen.
Anträge auf Stilllegungen
Gas-Großhändler nutzen Speicher, um günstig eingekauftes Erdgas zu einem anderen Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen – vor allem im Winter, wenn der Bedarf groß ist. In der Regel sinkt der Gaspreis im Sommer deutlich, sodass viele Versorger Erdgas einkaufen und es in den Anlagen zwischenspeichern. Je höher aber der Gaspreis im Sommer, desto weniger lohnt sich das Befüllen der Speicher.
Das ist auch der Hintergrund für Anträge bei der Bundesnetzagentur auf Stilllegungen von zwei Speichern in Bayern, darunter einer von Uniper – aber erst zum Frühjahr 2027. Unter den aktuellen Voraussetzungen sei ein wirtschaftlich tragfähiger Speicherbetrieb langfristig nicht darstellbar, so Uniper. Voraussetzung für eine Genehmigung: es darf keine nachteiligen Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit geben.