Seit Beginn des Iran-Kriegs steigen die Spritpreise. Die Bundesregierung will nun den Tankstellen neue Vorschriften machen. Aber wirkt das neue Modell?
Die Bundesregierung greift angesichts der stark gestiegenen Spritpreise ein und will Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten. Tankstellen in Deutschland sollen künftig nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen. Dieses aus Österreich bekannte Modell wolle die Bundesregierung im Hinblick auf die wegen des Iran-Kriegs enorm gestiegenen Preise so rasch wie möglich einführen, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Berlin. «Dagegen sind Preissenkungen jederzeit zulässig», erläuterte sie.
Die Frage ist, wie schnell die Änderung kommt und ob sie in der aktuellen Lage noch wirkt. Das Modell soll zum einen Autofahrerinnen und -fahrern bei der Suche nach der günstigsten Tankstelle helfen, ohne dass sie mehrfach täglich Preise vergleichen müssen. Man erwarte aber auch preisdämpfende Effekte, sagte Reiche. Der ADAC zeigte sich skeptisch, ob die «Einmal-täglich-Regel» wirklich Preisanstiege dämpft. Der Tankstellen-Interessenverband begrüßte sie dagegen.
Reiche sagte weiter, die Regierung prüfe zudem eine Verschärfung der Missbrauchsaufsicht des Kartellamts beim Kraftstoffsektor, die zu verschärften Kontrollen bei Kosten und Preisen führen solle.
Sorge vor Knappheit nehmen
Die Bundesregierung plant zudem, wie andere Staaten einen Teil der nationalen Ölreserve freizugeben. Dies sei ein sichtbares Signal in den Markt, um hohe Risikoaufschläge und Spekulationsgewinne einzudämmen, sagte Reiche. «Wenn dem Markt Sorge genommen wird vor Knappheit, entspannen sich Preise und wir gehen definitiv von einem dämpfenden Effekt aus.»
Rakete und Feder
Reiche sagte, das Bundeskartellamt habe in einer Untersuchung treffend von einem Rakete-und-Feder-Effekt bei Spritpreisen gesprochen. Kraftstoffpreise stiegen bei höheren Rohölkosten extrem schnell an - wie eine Rakete. Bei fallenden Kosten würden sie aber nur langsam sinken - wie eine Feder. «Diesen Mechanismus wollen wir durchbrechen.»
Die Bundesregierung will sich nun das Modell aus Österreich zum Vorbild nehmen. Dort dürfen nur einmal am Tag, um 12 Uhr, die Preise erhöht werden. Gesenkt werden dürfen sie immer. Eine seit 2011 geltende Verordnung ist vor kurzem bis Ende 2028 verlängert worden. In Deutschland müsse das Kartellrecht geändert werden, um eine entsprechende Regelung einzuführen, sagte Reiche. Das solle so schnell wie möglich passieren.
ADAC bezweifelt Preiseffekte
Ein Sprecher des ADAC sagte: «Es ist gut, dass die Bundesregierung den Handlungsdruck sieht, nachdem die Spritpreisentwicklung viele Autofahrerinnen und Autofahrer zu überfordern droht. Wichtig ist auch, dass durch Überlegungen zum Österreich-Modell sichtbar die Rolle der Mineralölkonzerne hinterfragt wird.