Sein kühler Glanz wird mit Mondlicht assoziiert, Silber gilt als Mondmetall. Doch neben seinem ästhetischen Wert hat es einzigartige Eigenschaften. Das steigert die Nachfrage – bei begrenztem Angebot.
Über Monate kannte der Preis für Silber im Grunde nur eine Richtung: steil nach oben. Vor wenigen Tagen dann der Knall. Ein massiver Einbruch ließ auch Menschen aufhorchen, die sich sonst nicht so für das Edelmetall Nummer zwei nach Gold interessieren. Was man über Silber wissen muss:
Wofür wird Silber gebraucht?
Silber ist ein wichtiges Industriemetall, das für viele Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz, Robotik und Energie benötigt wird. Das liegt an seinen einzigartigen physikalischen Eigenschaften, wie York Tetzlaff, Chef des Branchenverbandes Fachvereinigung Edelmetalle mit Sitz in Pforzheim, erklärt: Silber habe die höchste elektrische und thermische Leitfähigkeit, eine hohe Lichtreflexion und eine antibakterielle Wirkung. «Damit ist Silber ein essenzieller Rohstoff, insbesondere für Schlüsselindustrien wie Elektronik, Photovoltaik, Medizin und die Automobilindustrie.» Silber werde für Schalter, Kontakte, Leiterplatten, Computer, Telefone und LED-Chips gebraucht. Silberpaste werde in Solarzellen genutzt, um Sonnenlicht zu reflektieren und Strom zu leiten.
Zudem dient Silber Anlegern als Absicherung gegen Inflation und wirtschaftliche Krisen. «Investiert wird vor allem über physische Münzen und Barren sowie über börsengehandelte Silberprodukte (ETCs)», erläutert Tetzlaff. Gleichzeitig bleibe das Edelmetall ein wichtiger Werkstoff für die Schmuckherstellung und die Produktion klassischer Silberwaren wie Bestecke.
Wie entwickelt sich das Angebot?
Laut Daten des Silver Institute beläuft sich das weltweite Silberangebot auf etwa 31.100 bis 31.800 Tonnen pro Jahr. Die wichtigsten Produzenten sind Mexiko mit etwa 24 Prozent des weltweiten Silbers sowie China und Peru mit je rund 13 Prozent. Polen trägt laut Tetzlaff etwa 5 Prozent zum globalen Silberangebot bei und ist damit der größte Silberproduzent Europas.
Rund vier Fünftel des Silberangebots stammen den Angaben nach aus Minen. «Die bekannten wirtschaftlich abbaubaren Silberreserven werden auf rund 650.000 Tonnen geschätzt», erklärt Tetzlaff. Diese Vorkommen reichten bei gleichbleibender Produktionsrate rechnerisch für etwa 25 Jahre. Daher werde Recycling immer wichtiger. In deutschen Haushalten lagerten zum Beispiel rund 195 Millionen alte Handys, die zusammen etwa 50 Tonnen Silber enthielten.
2025 haben die USA Silber auf die Liste der kritischen Rohstoffe gesetzt. Tetzlaff zufolge macht das Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung wie strategische Reserven oder Reaktionen in der Zollpolitik wahrscheinlicher und wirkt preistreibend. «Zusätzlich verknappen die 2026 wirksam gewordenen Exportbeschränkungen Chinas, die staatliche Lizenzen für Silberexporte verlangen und kleinere Exporteure praktisch aussperren, das Silberangebot.»
Wie entwickelt sich die Nachfrage?
Die steigt seit Jahren - vor allem wegen der industriellen Anwendungen wie Photovoltaik und Elektronik. «Ein großer Nachfragetreiber sollte in den kommenden Jahren auch die Künstliche Intelligenz mit den dafür benötigten Datenspeicherzentren werden», prognostiziert Tetzlaff. Hier sei Silber wegen der einzigartig hohen elektrischen und thermischen Leitfähigkeit unverzichtbar.