Kommt diese Kritik überraschend?
Nein, bereits im August 2025 hatte die Bundesbank der Bundesregierung vorgeworfen, ein beträchtlicher Teil der neuen Schulden fließe nicht in zusätzliche Investitionen. Die Opposition im Bundestag, besonders die Grünen, befürchteten schon vor einem Jahr einen «Verschiebebahnhof». Jetzt sagt Fraktionschefin Katharina Dröge: «Das war die historische Chance für Friedrich Merz und seine Kanzlerschaft. Und ein Jahr später muss man sagen: Er hat es verzockt.» Klingbeil sei ein schlechter Finanzminister und die CDU könne mit Geld nicht umgehen. Linken-Haushälter Dietmar Bartsch spricht von «Schummelei» und warnt, die Regierung verspiele das Vertrauen der Bürger. Klingbeil agiere nicht ehrlich, nicht transparent und nicht verantwortungsvoll.
Was sagt die Regierung zu der Kritik?
Das Finanzministerium wies den Vorwurf deutlich zurück. Tatsächlich seien mit dem Geld wie vorgeschrieben zusätzliche Investitionen in die Modernisierung des Landes getätigt worden, die die Investitionen aus dem Kernhaushalt ergänzten, sagte eine Sprecherin.
Das Haus von Vizekanzler Klingbeil verweist dabei stets auf die genaue Regelung: Investitionen gelten dann zusätzlich, wenn gleichzeitig im Kernhaushalt eine Investitionsquote von mindestens zehn Prozent erreicht wird. In ihrer Haushaltsplanung für 2025 hat die Bundesregierung das knapp geschafft. Weil danach nicht alle geplanten Mittel abgerufen wurden, kam man in der Schlussrechnung zwar nur noch auf 8,7 Prozent. Doch für die Rechtmäßigkeit zählen die geplanten, nicht die tatsächlichen Ausgaben.
Zudem hätten die Studienautoren einen nicht ausfinanzierten Haushaltsentwurf der zerbrochenen Ampel-Regierung zum Vergleich herangezogen, argumentierte die Sprecherin. Das habe das Ergebnis verfälscht. Insgesamt habe man die Investitionsausgaben durch den Sondertopf von 2024 auf 2025 um 17 Prozent steigern können. Von insgesamt rund 87 Milliarden Euro Investitionen seien 24 Milliarden auf den Sondertopf entfallen. Für das laufende Jahr plane der Bund eine weitere Steigerung der Investitionen auf rund 120 Milliarden, wobei 58 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen kämen.
Wie viel Geld aus dem Topf ist schon ausgegeben?
Bisher ist nur ein kleiner Teil der 500 Milliarden wirklich geflossen – allerdings ist der Sondertopf auch erst seit Oktober 2025 einsatzbereit. Die genauen Zahlen für den Bundesanteil kann man auf der Internetseite des Finanzministeriums finden. Mit Stand Ende Februar sind hier rund 39 Milliarden Euro ausgewiesen (genauer 39.155.731.903,75 Euro).
Wofür genau wird das Geld ausgegeben?
Die Bundesregierung nennt hier beispielhaft bessere Kitas, Schulen, Straßen und Schienen, günstige und klimafreundliche Energie sowie schnelles Internet und zusätzlichen Wohnraum. Im ersten Jahr, 2025, liefen die Investitionen nur schleppend an, was Klingbeil auch wiederholt beklagt hat. Sie müssten jetzt dafür sorgen, dass die Bagger tatsächlich rollen, forderte er die anderen Ministerien und die Bundesländer auf.
In diesem Jahr sollen zum Beispiel 3,25 Milliarden Euro in den Erhalt von Brücken und Tunneln fließen, weitere 16,3 Milliarden in Bahnstrecken. Knapp 1,4 Milliarden will der Bund in den Um- und Neubau klimaneutraler Wärmenetze stecken. 940 Millionen aus dem Sondervermögen fließen in Kinderbetreuung, 2,3 Milliarden in den Breitbandausbau, 833 Millionen Euro in die Sanierung kommunaler Sportstätten.