Im Wahlkampf entwickelte das Thema neue Dynamik. Linke-Spitzenfrau Eralp (45) verspricht eine Umsetzung des Volksentscheids. Bundesparteichefin Ines Schwerdtner machte das gar zur Bedingung für den Eintritt in eine Koalition. Eralp erklärte, sie werde die Mieten senken, sich mit den Konzernen anlegen und «jeden verdammten Hebel umlegen, um Berlin wieder bezahlbar zu machen». Sie trägt sogar ein «Mietendeckel»-Kettchen.
Streit um Enteignungen
Ob sie diese Strategie ins Rote Rathaus trägt, wo Eralp erste linke Berliner Regierungschefin und aufgrund ihrer türkischen Wurzeln auch die erste mit Migrationsgeschichte wäre, bleibt abzuwarten. Am ehesten würden die Grünen bei einer Vergesellschaftung mitgehen - die das Grundgesetz grundsätzlich erlaubt, die aber politisch und juristisch hochumstritten wäre. «Wir wollen den Volksentscheid Deutsche Wohnen & Co enteignen umsetzen», sagt deren Kandidat für das Rathaus, Werner Graf (45).
SPD-Mann Krach, der auch Parteichef ist, hält dagegen. Enteignungen werde es mit der SPD nicht geben, sagt er. Allerdings gibt es in der Berliner SPD auch einen mächtigen linken Flügel, der das anders sieht. Dort kam es auch nicht gut an, dass die schwarz-rote Koalition im Bund Anfang Juli vereinbarte, solche Enteignungen von Immobilienkonzernen auf Landesebene verbieten zu wollen.
Den Sozialdemokraten, die seit Jahrzehnten in der Stadt mitregieren, droht das historisch schlechteste Wahlergebnis. Krach führte das zuletzt auf den Bundestrend zurück und kritisiert die Reformagenda, die die SPD gemeinsam mit der Union in der Bundesregierung umsetzt.
CDU will «Extremisten von der Macht fernhalten»
Unterdessen versucht die CDU, ihr konservatives Profil zu schärfen und sich als Kraft der Vernunft in der Mitte zu positionieren. Er wolle klare Abgrenzung von den Rändern und «Extremisten von der Macht fernhalten», sagte Evers und zeigte auf AfD und Linke, der er etwa Antisemitismus vorwirft. «Einer muss vernünftig sein», plakatierte er, die Enteignungsforderungen geißelte er als «populistisch».
Die Berlin-Wahl 2023 war wegen schwerer Pannen im Jahr 2021 wiederholt worden, an der fünfjährigen Dauer der Legislaturperiode änderte sich nichts. Die CDU gewann seinerzeit mit 28,2 Prozent der Zweitstimmen klar vor SPD, Grünen (je 18,4 Prozent), Linke (12,2 Prozent) und AfD (9,1 Prozent).