Nach Angaben Reiches sind mit Blick auf den Investitionsgipfel der Bundesregierung bereits Zusagen für Investitionen von mehr als 225 Milliarden Euro gemacht worden. Sie betonte im Deutschlandfunk zudem, dass darin nur Projekte mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro enthalten seien. In welchem Zusammenhang die Zusagen genau stehen und ob welche davon auch unabhängig vom Investitionsgipfel getätigt wurden, blieb zunächst offen.
Kanzler sagt Reformen zu
Merz sagte erneut zu, dass die Bundesregierung ihren Reformkurs fortsetze. Er sprach von einem der ehrgeizigsten Reform- und Modernisierungsprogramme der letzten Jahrzehnte.
Geplant sind Reformen der Sozialsysteme, um Sozialausgaben zu stabilisieren, Flexibilisierungen im Arbeitsmarkt und einen Abbau von Bürokratie. Allerdings sind in der schwarz-roten Koalition Vorhaben etwa bei der Rentenreform umstritten.
Warnung vor Vergesellschaftungen in Berlin
Bauministerin Verena Hubertz (SPD) versuchte, Geldgeber für Investitionen in «Betongold» zu gewinnen, wie sie es nannte. Zur Lage in Berlin, wo die angestrebte rot-grün-rote Koalition die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne angehen will, sagte sie: «Wir als Regierung nehmen einen anderen Weg. Wir brauchen mehr Investitionen und wir wollen Investitionen schützen.» Deshalb arbeite man an einem Investitionsschutzgesetz.
Reiche hatte am Montag mit Blick auf die Pläne der möglichen rot-grün-roten Koalition in Berlin zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne gesagt, sie sehe eine «Gefahr für den Standort», die weit über Berlin hinausgehe. Dies sei definitiv kein Modell für Deutschland.
Bedarf an privaten Investitionen
Einer Studie von Allianz Research zufolge gingen zwischen 2019 und 2025 die Gesamtinvestitionen in Deutschland um 6,4 Prozent zurück - während sie im übrigen Euroraum um 6,7 Prozent und in den USA um 20,2 Prozent stiegen. Daraus ergebe sich eine riesige Investitionslücke. Zu den Gründen für die Zurückhaltung in Deutschland zählten hohe Energiekosten, eine hohe Steuer- und Abgabenbelastung und eine übermäßige Bürokratie.
DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier sagte, die Investitionstätigkeit in Deutschland bleibe deutlich zu schwach. «Im ersten Halbjahr 2026 lagen die privaten Investitionen noch immer rund elf Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau.»
Sondervermögen alleine reicht nicht
Der deutsche Staat gibt in den kommenden Jahren über ein «Sondervermögen» viele Milliarden auf Pump aus, um die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen und Unternehmen beim Umstieg auf klimafreundlichere Prozesse zu unterstützen. Auch um den technologischen Wandel zu bewerkstelligen, sind aber aus Sicht von Wirtschaft und Politik mehr private Investitionen entscheidend.
Die Unternehmensinitiative «Made for Germany» identifizierte fünf zentrale Investitionsfelder. Neben industrieller Künstlicher Intelligenz seien dies Transformation und Zukunftstechnologien, daneben Energiesysteme, Infrastruktur sowie Sicherheit und Verteidigung. Für diese fünf Bereiche beziffert ein Report ein Investitions- und Finanzierungspotenzial von rund 2,9 bis 4,1 Billionen Euro bis 2035.
Amazon investiert in Rechenzentren
Die Handelsplattform Amazon kündigte auf dem Investitionsgipfel an, im kommenden Jahr rund 16 Milliarden Euro in Deutschland investieren zu wollen. Das Geld soll unter anderem in den Ausbau von Rechenzentren für den Cloud-Anbieter AWS und die Modernisierung der Logistikstandorte fließen.