Auch wenn es zwischenzeitlich etwas Entspannung gab, der Iran-Krieg hält die Preise für Öl und Gas hoch. Das trifft die Wirtschaft, aber auch die Verbraucher, die tanken und heizen müssen.
Schlechte Nachrichten für Autofahrer und Heizölkunden - und möglicherweise noch mehr Verbraucher: Auf dem Weltmarkt ist der Preis für Rohöl wieder deutlich gestiegen. Die Notierung für Rohöl der Nordseesorte Brent kletterte zuletzt bis knapp unter die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Eine Eskalation im Iran-Krieg hat zudem den Preis für Erdgas im Großhandel stark nach oben getrieben. Die Preissprünge an den Rohstoffmärkten haben Folgen für Verbraucher, die sich zur bevorstehenden Heizperiode auf höhere Kosten einstellen müssen.
Warum steigen die Ölpreise wieder so stark?
Die Rohstoffmärkte reagieren auf die jüngste Eskalation im Iran-Krieg. Nach gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran ist ein Ende der Blockade der für den Transport von Öl und Flüssigerdgas wichtigen Straße von Hormus in weite Ferne gerückt. An den Märkten wird das Risiko von weiteren Angriffen auf Öltanker und von Angriffen auf die Anlagen der Ölindustrie am Persischen Golf eingepreist. Es wird also mit weniger Angebot auf dem Markt gerechnet und das macht Rohöl wieder spürbar teurer.
Im Juni waren die Ölpreise noch deutlich gefallen, als die USA und der Iran ein Waffenstillstandsabkommen ausgehandelt hatten. Mit der jüngsten Eskalation der Lage haben sich die Rohstoffmärkte schnell an die neue Lage angepasst.
Die Entwicklung auf dem Ölmarkt zeigt Wirkung an den Tankstellen
Mit der jüngsten Eskalation der Lage am Persischen Golf gibt es Höchstpreise an den deutschen Tankstellen. Der Preis für einen Liter Super E10 stieg am Mittwoch nach Angaben des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt bis auf 2,215 Euro und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem März 2022. Inflationsbereinigt war Benzin in der Vergangenheit allerdings schon mal teurer.
Neben dem Iran-Krieg wurden die Spritpreise aber auch durch die Folgen von Niedrigwasser in großen deutschen Flüssen nach oben getrieben. Vor allem die geringen Pegelstände am Rhein haben den Transport von Treibstoffen zeitweise behindert. Nach Einschätzung des ADAC könnte 2026 das bislang teuerste Tankjahr überhaupt werden.
Hinzu kommt, dass der Ukraine-Krieg an den Rohstoffmärkten wieder stärker Wirkung zeigt. Russland muss nach zahlreichen Drohnenangriffen durch die Ukraine Ausfälle in den Raffinerien verkraften, was sich unter anderem auch auf den Handel mit Diesel auswirkt. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Diesel auf dem Weltmarkt hoch und die Lagerbestände in den USA sinken. Die USA sind ein wichtiger Dieselexporteur. «Ein Ende der Knappheit ist nicht in Sicht», sagte Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank.
Wie entwickeln sich die Preise für Heizöl vor der Heizperiode?
Beim Heizöl zeigt sich eine ähnliche Entwicklung wie bei den Kraftstoffpreisen an den Tankstellen. Auch hier hat sich der Preisanstieg in den vergangenen Tagen deutlich beschleunigt. Das Internetportal Heizoel24 gab den Preis am Donnerstag mit knapp 150 Euro pro 100 Liter an. Nachdem der Preis im Juni mit der Hoffnung auf ein Ende des Iran-Kriegs zeitweise bis auf etwa 108 Euro gefallen war, kostet Heizöl mittlerweile wieder so viel wie im April, als die Blockade der Straße von Hormus die Furcht vor einem zu knappen Angebot auf dem Weltmarkt schürte.