Dass der Ministerpräsident dies so betont, hat einen Grund. Bisher hatte er nicht den Eindruck gemacht, dass er ranghohen Besuch der Bundespartei besonders schätzt – im Gegenteil. Der 47-Jährige grenzt sich von Berlin ab und macht sogar gegen die CDU-Zentrale Wahlkampf. Im Sommer stellte er sich gemeinsam mit den anderen beiden ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten gegen ein Kernelement des schwarz-roten Rentenreformkonzepts – die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.
Nach dem Gespräch mit Merz in Quedlinburg, an dem auch anderen Kandidaten für die Landtagswahl teilnahmen, schlug er an dieser Stelle versöhnlichere Töne an als bisher. «Ich muss nicht immer einer Meinung sein mit jedem, der Verantwortung trägt an anderer Stelle», sagte er. «Aber wir sollten zusehen, dass wir gemeinsam dann Lösungen finden, die sowohl für die Bundesländer als auch den Bund tragbar sind.»
«Rücktritt»-Rufe auf der Strandpromenade
Der Besuch in Quedlinburg verlief ohne Störungen. Lediglich bei der Vorfahrt mit seiner Kolonne zum Stiftsberg wurde Merz von einigen AfD-Anhängern mit einem Transparent empfangen, auf dem «Unser Land zuerst!» stand. Pfiffe und Beschimpfungen blieben aber aus.
In Kühlungsborn war das zuvor anders, wo er von einigen Bürgern mit «Rücktritt»-Rufen empfangen wurden. Merz unterhielt sich an einem Wahlkampfstand über Absperrgitter hinweg mit Menschen aus dem Publikum. Zuvor hatte er in einem Kühlungsborner Fischrestaurant ein Fischbrötchen gegessen und es mit «exzellent gut» kommentiert.
Kritik vom Fischer zum leckeren Fischbrötchen
Aber auch dort blieb es nicht so harmonisch. Der Sohn des Gaststätten-Inhabers, der selbst Fischer ist, erklärte Merz die aus seiner Sicht bestehenden Probleme für die Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern, etwa Fangbeschränkungen, oder dass Kegelrobben die Bestände auffressen. Man sei auf dem Weg, «die Küstenfischerei in MV abzuschaffen». Merz sagte, man müsse auch verstehen, woher die Probleme kämen, dass es auch wichtig sei, Bestände zu schützen.
Der Besuch hatte bei Sonnenschein begonnen. Als es nach draußen auf die Strandpromenade gehen sollte, hingen dunkle Wolken über der Ostsee. Teils regnete, blitzte und donnerte es sogar.
Niedersachsen statt Sachsen-Anhalt am Tag vor der Wahl
Nach dem Termin in Quedlinburg wird Merz am Donnerstag ein zweites Mal nach Sachsen-Anhalt kommen. In Leuna ist dann eine Werksbesichtigung bei UPM Biochemicals geplant, die nicht öffentlich ist. Auch dort ist ein gemeinsames Statement der einzige öffentliche Termin. Einen klassischen öffentlichen Wahlkampfauftritt vor größerem Publikum wird es in Sachsen-Anhalt nicht geben.
Am 5. September – dem Tag vor der Wahl – ist Merz stattdessen in Hannover bei einer Veranstaltung der CDU Niedersachsens, wo eine Woche später Kommunalwahlen stattfinden. Dort wird Merz dann auch vor Publikum reden – und sich vermutlich auch noch einmal an die Wähler in Sachsen-Anhalt wenden.