Ob Radhaubitze Caesar, Panzerhaubitze 2000 oder die Kampfpanzer Leclerc und Leopard: Die Produktpalette von KNDS ist breit. Die Firma nahm einen Börsengang ins Visier. Daraus aber wird vorerst nichts.
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS lässt seine Börsenpläne überraschend ruhen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktschwankungen werde der Börsengang erst unter besseren Marktbedingungen fortgesetzt, teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatte die «Financial Times» berichtet, dass die Eigentümer Probleme hätten, Investoren von der geplanten Bewertung von mehr als 12 Milliarden Euro zu überzeugen. Zu Beginn des Jahres war laut «FT» sogar noch eine Bewertung von 18 bis 20 Milliarden Euro im Gespräch.
Die Aktien des Herstellers des Kampfpanzers Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000 sollten an den Börsen in Frankfurt und Paris platziert werden, wie das Unternehmen erst vor einer Woche mitgeteilt hatte. Es hätte einer der größten europäischen Börsengängen im Verteidigungssektor der vergangenen Jahre werden können.
Rüstungsbranche an der Börse unter Druck
Zuletzt hatte sich das Umfeld für Rüstungsaktien an der Börse allerdings eingetrübt. So verloren die Aktien des Konkurrenten Rheinmetall stark an Wert: Der Wert eines Anteilsscheins der Düsseldorfer Waffenschmiede halbierte sich in einem Dreivierteljahr, zog dann aber wieder etwas an. Andere Firmen aus der Rüstungsbranche kamen an der Börse ebenfalls unter Druck, etwa der Elektronik-Konzern Hensoldt und der Panzergetriebe-Lieferant Renk.
«KNDS und seine Anteilseigner werden die Bedingungen an den Kapitalmärkten weiterhin genau beobachten und sind bereit, den Börsengang wieder aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen das erlauben», erklärte KNDS.
Vorausgegangen war eine Einigung zwischen der deutschen und der französischen Regierung über die künftige Eigentümerstruktur des Unternehmens. Danach erwerben die Bundesrepublik Deutschland und der französische Staat jeweils einen Anteil von 40 Prozent an KNDS. Die verbleibenden 20 Prozent sollten im Zuge des Börsengangs an institutionelle Investoren veräußert werden. Rheinmetall wollte sich früher einmal bei KNDS einkaufen, scheiterte aber mit diesem Vorhaben.
Bund bekräftigt gemeinsames Projekt
Als Reaktion auf die geänderten Pläne von KNDS teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit, man respektiere die Entscheidung des Unternehmens, den Börsengang anzuhalten. «Wir sind weiter daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen.» Die vorausgegangenen Verhandlungen samt Einigung zwischen Berlin und Paris sicherten «den Schutz der beiderseitigen Sicherheitsinteressen auf Augenhöhe», so das Bundeswirtschaftsministerium. «Diese Verhandlungen fußten auf der Erwartung eines erfolgreichen Börsengangs, den das Unternehmen weiterhin in Betracht zieht.»
Politisches Ringen um europäischen Waffenkonzern
KNDS entstand 2015 durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter, das Kürzel geht auf KMW Nexter Defense Systems zurück. Aktuell befindet sich KNDS jeweils zur Hälfte im Eigentum der deutschen Familie hinter Krauss-Maffei Wegmann sowie des französischen Staates. Der Konzern beschäftigt gut 11.000 Menschen und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Sitz der übergeordneten Finanzholding ist Amsterdam, die deutsche Zentrale sitzt in München und die französische bei Paris.