Wenn Fahrgäste auf verspätete Züge warten, liegt das oft an Störungen im Netz. Die Bahnchefin setzt auf eine große Sanierung und will so auch den Reiz des Reisens zurückbringen - aber es dauert.
Bahnchefin Evelyn Palla wirbt bei den Fahrgästen um Geduld für die begonnene Sanierung des maroden Gleisnetzes für weniger Störungen und Verspätungen. «Die Schiene in Deutschland in Ordnung zu bringen, dafür werden wir zehn Jahre brauchen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Auch wenn wir jetzt so viel Geld vom Bund bekommen wie nie zuvor, wird die Sanierung der Schiene lange dauern.» Palla verteidigte das Konzept mit längeren Vollsperrungen für gebündelte Arbeiten. Am Pünktlichkeitsziel der Fernzüge für 2026 hält die Bahn trotz Winterproblemen zum Start ins Jahr fest.
Dass Zugausfälle, geplatzte Umsteige-Anschlüsse oder defekte ICE-Toiletten aufs Image drücken, kommt im Konzern an. «Eisenbahn ist Mobilität, Freiheit, auch ein Lebensgefühl», sagte Palla. Im Zug aus dem Fenster zu gucken oder zu lesen, sei schön und entspannend. «Genau deswegen müssen wir etwas verändern, weil die Menschen den Reiz der Eisenbahn oft vergessen haben.»
«Eine Bahn, auf die alle wieder stolz sind»
«Das ist meine Mission: Eine Eisenbahn zu schaffen, auf die wir alle wieder stolz sind. Und zwar nicht nur die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, sondern das ganze Land.», sagte Palla, die den Bundeskonzern seit Oktober führt. «Aber der Weg dorthin wird für alle steinig und schwer. So ehrlich müssen wir sein.»
Reisende sollen aber nicht nur jahrelange Geduld haben. Es müsse «jetzt sofort auch ganz konkret bei den Kundinnen und Kunden ankommen, dass sich bei der Bahn etwas zum Positiven ändert», betonte die Bahnchefin. Deswegen setze die Bahn Sofortprogramme für mehr Sauberkeit und Sicherheit am Bahnhof, für Komfort im Fernverkehr und eine bessere Reisendeninformation um.
Die Bahn kämpft seit Jahren mit einer störanfälligen Infrastruktur. Bund und Bahn wollen daher bis 2036 mehr als 40 vielbefahrene Strecken grundlegend sanieren, um das Netz nach und nach zu ertüchtigen. Die Abschnitte werden in der Regel über Monate voll gesperrt. Zur Finanzierung sollen Mittel aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur fließen. In diesem Jahr will die Bahn mehr als 23 Milliarden Euro verbauen. Nach rund 26.000 Baustellen 2025 werden es in diesem Jahr voraussichtlich 28.000 sein.
Sanierungen mit Vollsperrung «alternativlos»
Palla hält die «Generalsanierungen» weiterhin für richtig - trotz Kritik wegen aktueller Verzögerungen zwischen Hamburg und Berlin. «Viele Jahre lang wurde zu wenig in das Schienennetz investiert», argumentierte sie.«Deswegen können wir jetzt gar nicht anders, als ganze Korridore am Stück zu sanieren, wenn wir in großen Schritten vorankommen wollen.» Man baue nicht so, weil man jemanden ärgern wolle, «sondern weil das mittlerweile einfach alternativlos ist.»
Derzeit läuft die Sanierung Hamburg-Berlin, die bis Ende April abgeschlossen sein sollte. Aufgrund wochenlanger Kälte mit tief gefrorenem Boden kamen die Arbeiten zuletzt aber nicht voran. Die Bahn verkündete deshalb, dass sich die Inbetriebnahme verzögert. Sie will am 13. März darüber informieren, wie lange. Man warte bis dann, um sicherzustellen, «dass uns nicht noch ein Wintereinbruch ereilt und dass der Termin, den wir dann bekanntgeben, auch hält», erläuterte Palla. «Es wird sich nicht um Monate handeln, wir sprechen hier von Wochen.»