Der Online-Lebensmittelbereich sei aber keine einfache Branche, betont Düssler. Die Markteintrittshürden seien hoch. Um frische Lebensmittel zu liefern, brauche man unter anderem gute Logistikstrukturen. Über diese verfügten Händler wie Rewe und Amazon bereits.
Ob sie damit erfolgreich sein werden, lässt sich Düssler zufolge nicht absehen. Die Voraussetzungen seien inzwischen jedoch um ein Vielfaches besser. Die Verbraucherbasis sei größer und Lebensmittel online einzukaufen sei für viele Menschen selbstverständlicher geworden als noch vor ein paar Jahren.
Wie entwickelt sich der Markt für Online-Lebensmittel?
Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens NIQ bestellen Verbraucher mehr Produkte des täglichen Bedarfs (FMCG) wie Lebensmittel online. Das Onlinegeschäft mit Lebensmitteln wuchs demnach zuletzt um 11,8 Prozent, während der stationäre Handel hier lediglich 2,2 Prozent zulegen konnte. Selbst Warengruppen wie Babynahrung, die in Geschäften Einbußen verzeichnen, wachsen demnach online.
Dahinter stehen laut NIQ auch veränderte Einkaufsgewohnheiten. Den Marktforschern zufolge bestellen Verbraucher Lebensmittel und Getränke häufiger online, zudem sind die durchschnittlichen Ausgaben pro Käufer gestiegen. Der Onlineanteil am gesamten FMCG-Umsatz liegt jedoch lediglich bei knapp 9 Prozent.
Wie viele Verbraucher nutzen Lieferdienste und warum?
Der stationäre Lebensmittelhandel bleibt weiterhin erste Wahl, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts IFH Köln zeigt. Trotz wachsender Onlineangebote sei die Zurückhaltung beim Kauf von Lebensmitteln online nach wie vor groß, heißt es.
Laut einer im Juli durchgeführten Befragung haben 71 Prozent in den vergangenen sechs Monaten keinen Online-Lebensmitteldienst genutzt. Viele begründen das damit, dass sie frische Waren vor dem Kauf sehen, anfassen und riechen möchten, oder Liefergebühren und Mindestbestellwerte als unnötige Zusatzkosten empfinden.
29 Prozent haben hingegen im vergangenen halben Jahr Online-Lebensmitteldienste genutzt. Die am häufigsten genannten Gründe: Zeitersparnis im Alltag, Entlastung beim Tragen schwerer Einkaufstüten und Getränkekisten und Unabhängigkeit von Öffnungszeiten. 13 Prozent der Nutzer kaufen fast nur noch im Internet. Das IFH Köln hat 500 Konsumenten zwischen 18 und 69 Jahren repräsentativ befragt.
Gibt es auch andere Modelle?
Der niederländische Anbieter Picnic führte Anfang November deutschlandweit das Abo-Modell «Picnic Family» ein. Das Abo kostet je nach Tarif 4,99 bis 6,99 Euro im Monat. Abonnenten erhalten beim Einkauf unter anderem bevorzugte Lieferfenster und Rabatt auf frisches Obst und Gemüse. Der Online-Supermarkt Flaschenpost gab kürzlich bekannt, sein Lebensmittelsortiment von 4.000 auf 8.000 Artikel zu verdoppeln.
Was machen die übrigen Supermärkte?
Beim Discounter Aldi Nord heißt es, die Einführung eines Lieferdienstes sei nicht vorgesehen. Aldi Süd hingegen testet einen solchen seit einigen Jahren regional in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen, unter anderem in Duisburg, Oberhausen und Mönchengladbach. Lidl bietet bislang keinen Lebensmittel-Lieferservice an.
Frank Düssler vom Branchenverband BEVH ist überzeugt: Auch der Discounter um die Ecke oder der Großstadt-Supermarkt hat eine Zukunft. «Der Deutsche kann nicht loslassen von seinem Supermarkt.» Auch wenn der Onlinehandel wachse, werde der stationäre Supermarkt überleben.