Bei der seit Jahren kriselnden Güterverkehrssparte der Bahn steht der nächste Umbruch an: Der neue Chef baut fast die Hälfte der Stellen ab. Viel Zeit für die Kehrtwende bleibt ihm nicht.
Der Chef der seit Jahren kriselnden Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo, Bernhard Osburg, hat den Abbau von fast der Hälfte der Arbeitsplätze in Deutschland angekündigt. Von den derzeit rund 14.000 Vollzeitstellen hierzulande sollen 6.200 wegfallen, sagte Osburg der Deutschen Presse-Agentur. Das betreffe fast alle Bereiche, etwa Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und die IT.
Vorgängerin mit Umstrukturierung gescheitert
Der Stellenabbau ist Teil eines Umstrukturierungsplans, mit dem Osburg das hochdefizitäre Unternehmen wieder in die Spur bringen will. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Noch in diesem Jahr muss DB Cargo infolge eines EU-Beihilfeverfahrens wieder schwarze Zahlen schreiben. Sonst droht das Aus. Das operative Minus belief sich Osburg zufolge im vergangenen Jahr noch auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
Schon Osburgs Vorgängerin, Sigrid Nikutta, wollte den Konzern neu aufstellen, musste aber gehen, nachdem ihr Sanierungskonzept in einem externen Gutachten durchgefallen war.
Osburg betont nun, eine Strategie mit mittelfristiger Ausrichtung bis zum Jahr 2030 vorgelegt zu haben. Die gutachterliche Bestätigung wird für Ende Februar erwartet. In dieser Woche wurden die Beschäftigten sowie der Aufsichtsrat von DB Cargo informiert.
Vier Säulen bilden die neue Struktur
Der Sanierungsplan des früheren Stahlmanagers besteht aus vier Säulen:
Weil die Nachfrage im Güterverkehr in Deutschland bei den Hauptkunden aus den Sektoren Auto, Chemie und Stahl immer schwächer wird, will Osburg den Fokus aufs europäische Ausland legen. «Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus», betonte er.
Die zweite Säule besteht aus Einsparungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro bis 2030. Die Maßnahmen dafür umfassen unter anderem den Wegfall von 4.000 Arbeitsplätzen, einer schlankeren Verwaltung sowie Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark.