Merz sagte, die Kosten für diese Leistung hätten sich binnen acht Jahren vervierfacht. Angesichts der akuten Finanznot der Kommunen und eines Defizits von jährlich 30 Milliarden Euro sei das nicht auf Dauer leistbar. «Deswegen wollen wir versuchen, das zu korrigieren, ohne dass die Kinder davon betroffen sind.»
Merz rechnet kaum noch mit Reform der Schuldenbremse
Der Kanzler machte deutlich, dass er in dieser Wahlperiode kaum noch mit einer Reform der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse rechnet. «Die Hürden für eine erneute Änderung der Schuldenbremse sind extrem hoch, sowohl in der Sache als auch im Verfahren.» Für eine nötige Grundgesetzänderung wäre neben den Stimmen von CDU, CSU, SPD und Grünen die Unterstützung von weiteren Abgeordneten nötig. «Insofern bin ich nicht sehr zuversichtlich, dass es uns gelingt, die Änderung der Schuldenbremse in dieser Regierung noch einmal auf den Weg zu bringen.»
Keine Festlegung hinsichtlich zweiter Amtszeit
Merz legte sich öffentlich nicht fest, ob er eine zweite Amtszeit anstrebt. Auf die Frage, wann er diese Entscheidung treffe, sagte er, das könne er noch nicht sagen: «Der Zeitpunkt ist jedenfalls jetzt nicht da. Ich konzentriere mich auf die Arbeit, die wir in der Koalition leisten müssen, und die absorbiert mich wirklich vollständig.»
Auch die Frage, ob die Koalition der Union mit der SPD nach dieser Wahlperiode fortbestehen könnte, beantwortete der Kanzler nicht eindeutig. Die Koalition sei für diese Wahlperiode im Amt. «Und über alles andere denke ich heute nicht nach.»
Pressekonferenz mit Tradition und manchmal historischen Sätzen
Dass der Kanzler unmittelbar vor Beginn oder direkt am Ende der politischen Sommerpause in die Bundespressekonferenz kommt und sich dort den Fragen der Hauptstadtjournalisten und -journalistinnen stellt, hat Tradition. Im August 2015 prägte zum Beispiel die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei dieser Gelegenheit den ihre Flüchtlingspolitik bestimmenden Satz «Wir haben so vieles geschafft - wir schaffen das.».
Bundesregierung hat zuletzt geliefert
Die schwarz-rote Bundesregierung kann in diesem Jahr relativ entspannt in die politische Sommerpause gehen. Im vergangenen Freitag brachte sie das Gesundheitssparpaket und das Gebäudemodernisierungsgesetz mit neuen Regeln für das Heizen durch Bundestag und Bundesrat. Für die vereinbarte Rentenreform steht ein Konzept. Im Koalitionsausschusses verständigten sich CDU, CSU und SPD ferner auf eine Steuerreform mit Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen ab 2027, Änderungen im Arbeitsrecht und auf weiteren Bürokratieabbau.
Unzufriedenheit in den Umfragen bleibt
Allerdings sehen nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov vier von fünf Bundesbürgern die Bundesregierung durch die auf den Weg gebrachten Reformen nicht als gestärkt an. 47 Prozent meinen sogar, dass Schwarz-Rot geschwächt in die Sommerpause gehe. 33 Prozent der 2.230 befragten Wahlberechtigten erkennen keine Veränderung. Nur 10 Prozent sehen die Regierung gestärkt.
Merz sagte dazu: «Ich empfinde diese demoskopische Lage, wenn Sie so wollen, eher als Ansporn, die Arbeit fortzusetzen, gut zu machen, richtig zu machen, gut zu vermitteln, gut zu erklären.»