Merz will über Rente, Haushalt, Steuer reden
Merz sagte, er höre die Wortmeldungen aus der SPD. Natürlich müsse man über die Frage sprechen, wie man mit der Lebensbiografie langjährig Versicherter umgehe, die nun berechtigte Sorge um die Frage hätten, ob sie nach 45 Jahren in die Rente gehen dürften oder nicht. «Das ist vielleicht nicht hinreichend deutlich genug zum Ausdruck gekommen.» Der Kanzler betonte zugleich die grundsätzliche Richtigkeit der notwendigen Reformen.
Merz sagte weiter, auch das Thema Haushalt und Steuerreform werde noch einmal auf der Tagesordnung stehen. In der CDU/CSU-Fraktion gebe es den großen Wunsch, die Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger noch etwas umfangreicher ausfallen zu lassen. «Ich verschließe mich diesem Wunsch überhaupt nicht. Wir müssen nur gleichzeitig schauen, dass die Staatsfinanzen in Deutschland einigermaßen solide bleiben.»
Kanzler sieht seine Partei hinter sich
Merz hatte den Wahlabend am Sonntag sechs Stunden lang in der Parteizentrale in Berlin zusammen mit anderen Spitzenleuten der Partei verfolgt. Am Morgen rief er zunächst die Ministerpräsidenten der CDU zusammen, um mit ihnen alleine zu beraten - ein ungewöhnlicher Schritt, der zeigt, wie brenzlig die Lage ist. Die Sitzung des Parteipräsidiums begann mit 50 Minuten Verspätung.
Bei der Pressekonferenz nach den Gremiensitzungen betonte er, dass er sich der Unterstützung der Partei sicher sei. Er stelle sich seinen Aufgaben als Kanzler, «und ich weiß dabei auch die CDU, die Ministerpräsidenten, das Präsidium und den Bundesvorstand der CDU hinter mir».
Noch zwei Wochen Schonfrist
Bis zu den nächsten Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 20. September dürfte Merz vor offenen Angriffen aus der eigenen Partei sicher sein. Was danach passiert, steht auf einem anderen Blatt - und hängt von den Wahlergebnissen ab.
In Berlin droht der CDU der Verlust des Amtes des Regierenden Bürgermeisters - möglicherweise an die Linke. In Mecklenburg-Vorpommern könnte sie - wenn es ganz schlecht läuft - unter die Zehn-Prozent-Marke auf Platz 4 abstürzen. Die Debatte über einen Kanzlertausch könnte dann wieder voll ausbrechen - mit offenem Ausgang.
Als möglicher Nachfolger wird seit Wochen der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst gehandelt. Der nahm an den Gremiensitzungen teil und wollte dann noch Wahlkampftermine in Berlin absolvieren.
Kein Merz-Auftritt mehr in Mecklenburg-Vorpommern geplant
Merz wird sich im Wahlkampf weiterhin rar machen. Der CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, sagte, es sei kein weiterer Auftritt des Regierungschefs und Parteivorsitzenden geplant. Bei seinem bisher einzigen Besuch in Kühlungsborn wurde er von einzelnen Wählern mit Pfiffen, Beschimpfungen und Rücktrittsforderungen empfangen.
2029 für Merz noch kein Thema
Sollte Merz den Herbst als Kanzler überstehen, dürfte er durch das Gröbste durch sein. Im Frühjahr wird dann aber in Nordrhein-Westfalen gewählt. Sollte Wüst die Wahl dort gewinnen, steht Merz bald danach die nächste Debatte ins Haus - die über eine zweite Amtszeit.
Dazu hat sich der 70-jährige Kanzler noch nicht eindeutig geäußert. Auf eine Frage dazu sagte er bei der Pressekonferenz: «Ich mache mir im Augenblick über vieles Gedanken, aber nicht über die Bundestagswahl 2029.»