«Mehr als kritisch» - so beschreibt Oliver Blume die Lage bei Volkswagen. Der Konzernchef will den Sparkurs verschärfen. Ein Abbau von Zehntausenden Jobs wird befürchtet. Turbulente Tage stehen bevor.
Gleich neun außerordentliche Betriebsversammlungen stehen bei Volkswagen in den kommenden Tagen auf dem Programm. Es geht um nichts weniger als die Zukunft des Konzerns und der VW-Standorte. Die VW-Führung will die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Belegschaft, Gewerkschaften und Politik bangen um Zehntausende Arbeitsplätze und die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm.
Warum ist die Lage so angespannt?
Der Konzern kämpft mit hohen Kosten und einem schwierigen Umfeld. «Die Lage ist mehr als kritisch», sagte VW-Konzernchef Oliver Blume jüngst in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde und der dpa vorliegt. Blume zufolge verdient VW zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. Bisherige Einsparungen reichten nicht aus. «Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert», beschrieb der VW-Boss das Problem.
Er verwies auf die ernste Lage der Branche. «Es ist keine VW-Krise, sondern eine Krise der gesamten Automobilbranche.» Als große Herausforderungen nannte er US-Zölle, den Einbruch des chinesischen Marktes mit massivem Preisverfall, geopolitische Konflikte wie im Persischen Golf, der immer härtere Wettbewerb in Europa und massive Regulierungen.
Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen «Zielbild 2030» für den Konzern zu arbeiten und den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen.
Was wird in den kommenden Tagen erwartet?
Dem Betriebsrat reichen die «oberflächlichen Infos» der Konzernleitung nicht aus. Deshalb hat die Arbeitnehmervertretung zu Betriebsversammlungen geladen, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Bis Ende August sind neun Veranstaltungen geplant, darunter Versammlungen in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal. Die erste Betriebsversammlung steht am Dienstag, den 25. August, in Wolfsburg an. Tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover.
Zum Auftakt am Dienstag in der Wolfsburger Konzernzentrale soll Blume gemeinsam mit Markenchef Thomas Schäfer zur Belegschaft sprechen. Die beiden weiteren Termine, die Blume und Schäfer gemeinsam absolvieren, sind mit Zwickau und Emden an zwei der vier Standorten, die möglicherweise auf der Kippe stehen. An diesem Montag soll außerdem Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) das VW-Werk in Hannover besuchen.
Blume beschwor den Zusammenhalt in der Belegschaft. «Alle müssen mitziehen», sagte er der «Bild am Sonntag». «Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt.» Die nächsten Jahre seien entscheidend, «wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt».