Grünen-Politiker glaubt nicht an Inbetriebnahme in 2031
Der Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel zeigte sich nach der Sitzung skeptisch. «Ich würde mich wundern, wenn die Inbetriebnahme 2031/2032 tatsächlich funktionieren würde», sagte der Bundestagsabgeordnete. Die Bahn stecke noch immer in der Problemanalyse und suche nach Lösungen. Das zeige, wie «grottenschlecht» die Planungen und deren Umsetzungen gewesen seien.
Die SPD-Verkehrsexpertin und neue SPD-Landeschefin von Baden-Württemberg, Isabel Cademartori, sagte, Bahnchefin Palla habe dem Ausschuss überzeugend dargelegt, dass das Projekt nun mit seriöser und belastbarer Planung weitergeführt werde. Die unmittelbaren Belastungen für die Fahrgäste in Stuttgart müssten dennoch zeitnah reduziert werden.
Baden-Württembergs Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) forderte die Bahn auf, alles dafür zu tun, um die Auswirkungen für die Fahrgäste zu reduzieren. «Vor allem der umständliche „Fernwanderweg“ zu den Bahnsteigen muss so schnell wie möglich ein Ende finden.»
Inbetriebnahme schon häufig verschoben
Gebaut wird an dem Projekt bereits seit 2010. Die Inbetriebnahme war bereits mehrfach verschoben worden, zuletzt auf Dezember 2026. Bei Abschluss der Finanzierungsvereinbarung im Jahr 2009 war man von einer Eröffnung 2019 ausgegangen.
Das Projekt Stuttgart 21 steht nicht nur für den Bau des neuen Hauptbahnhofs in der Landeshauptstadt, sondern für die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Gebaut werden neue Bahnhöfe - etwa ein neuer Fernbahnhof am Flughafen -, Dutzende Kilometer Schienenwege und Tunnelröhren, Durchlässe sowie Brücken.
Bahnknoten wird auch komplett digitalisiert
Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm schließt neben Stuttgart 21 auch den Neubau der bereits 2022 eröffneten Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm ein. Herzstück von Stuttgart 21 ist der neue unterirdische Hauptbahnhof, der im Gegensatz zum bisherigen Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof sein wird.
Im Rahmen von Stuttgart 21 wird der Bahnknoten in Stuttgart zugleich als erster bundesweit komplett digitalisiert. Züge des Fern- und Regionalverkehrs sowie S-Bahnen sollen dann mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren - und zwar nur damit. Klassische Lichtsignale werden im Stuttgarter Bahnknoten nicht mehr verbaut.
Bahn muss Mehrkosten alleine stemmen
Auch die Kosten für das Projekt haben sich über die Jahre steil nach oben entwickelt. In einem Finanzierungsvertrag aus dem Jahr 2009 ist nur die Verteilung von Kosten bis zu einer Höhe von gut 4,5 Milliarden Euro geregelt. Zuletzt bezifferte die Bahn die Kosten auf rund 11,3 Milliarden Euro - mit der erneuten Verschiebung um fünf Jahre dürften diese aber noch deutlich ansteigen.
Im Verkehrsausschuss äußerten sich die Bahnvertreter zu den Kosten zunächst nicht, diese sollten Teilnehmern zufolge im Aufsichtsrat besprochen werden. Die Mehrkosten muss die Bahn einem Gerichtsurteil zufolge alleine tragen. Eine Klage, die die Projektpartner zu einer Beteiligung zwingen sollte, war vor knapp einem Jahr in letzter Instanz gescheitert.