"Von Metalhead zu Metalhead": Schwer kranke Fabienne (28) wendet sich an Wacken-Fans

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Kranke Fabienne (28) kämpft ums Leben: Wacken-Fans sollen ihr helfen
Fabienne (r.) ist großer Metal- und Rockfan. "Aber jetzt brauche ich die Hilfe von allen Rock- und Metalheads", appellierte sie an die Wacken-Fans und erklärte ihre Krankheitsgeschichte.
Kranke Fabienne (28) kämpft ums Leben: Wacken-Fans sollen ihr helfen
Privat/DKMS
Kranke Fabienne (28) kämpft ums Leben: Wacken-Fans sollen ihr helfen
Musikfan Fabienne (r.) plant noch viele gemeinsame Unternehmungen mit ihrer Schwester und baut auf die Hilfe der Wacken-Fans ...
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Kranke Fabienne (28) kämpft ums Leben: Wacken-Fans sollen ihr helfen
Fabienne beim Triathlon-Training mit ihrem Partner Johannes: Bis zu Beginn des Jahres 2026 war das Leben der 28‑Jährigen geprägt von Aktivität, Leidenschaft und großen Zielen ...
Kranke Fabienne (28) kämpft ums Leben: Wacken-Fans sollen ihr helfen
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Fabienne (28) ist schwer krank und benötigt dringend eine Stammzelltransplantation. Mit einem bewegenden Post wandte sie sich an die Wacken-Community.

Was zu Jahresbeginn mit Nasenbluten begonnen hat, endete für Fabienne nach einem Zwischenstopp in der Notaufnahme (vorerst) mit einer Schock-Diagnose: Die 28-Jährige, die von der Ostseeinsel Wollin stammt, leidet an der Autoimmunerkrankung schwere aplastische Anämie. Die Agrarwissenschafts-Studentin, die Ironman-Träume hegt und Rock- sowie Metalkonzerte liebt, muss ihr komplettes Leben von einem Tag auf den anderen auf Eis legen. Ihr Knochenmark versagt, und der einzige Ausweg wäre eine Stammzelltransplantation – doch diese setzt einen genetischen Zwilling voraus, der irgendwo auf der Welt registriert sein muss.

Genau diesen Zwilling sucht Fabienne jetzt öffentlich – und zwar dort, wo sie sich am wohlsten fühlt: in der Metal-Community rund um das Wacken Open Air. Über die Facebook-Gruppe der Wacken-Fans wandte sie sich mit den Worten "Stäbchen rein, Spender sein" an Zehntausende Gleichgesinnte. Gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die bereits eine Registrierungsaktion organisiert hatte, kämpfen Fabiennes Familie und Freunde um jede neue Eintragung in der weltweiten Stammzellspenderdatei – denn jeder Wangenabstrich könnte der entscheidende sein.

"Von Metalhead zu Metalhead": Schwer kranke Fabienne (28) wendet sich an Wacken-Fans

Ein ungestilltes Nasenbluten im Januar 2026 markiert den Beginn eines Albtraums. Was zunächst harmlos wirkt, entpuppt sich als lebensbedrohliche Erkrankung: Fabienne aus Wollin leidet an schwerer aplastischer Anämie – einem Knochenmarkversagen, das ihren Körper daran hindert, ausreichend gesunde Blutzellen zu produzieren. Seit Anfang März steht fest, dass die 28-Jährige dringend eine Stammzelltransplantation benötigt.

Jetzt wendet sie sich mit einem bewegenden Aufruf an die Rock- und Metalhead-Community – genau jene Szene, die sich in diesem Sommer beim Wacken Open Air 2026, dem 35. Jubiläum des weltgrößten Heavy-Metal-Festivals, vom 29. Juli bis 1. August in Schleswig-Holstein trifft. 

Bis zu Beginn des Jahres 2026 war Fabiennes Leben geprägt von Aktivität, Leidenschaft und großen Zielen. Sie studiert Agrarwissenschaften an der Universität Halle, trainiert für einen Ironman und plant gemeinsam mit ihrer Schwester Josi, einen ökologischen Bauernhof aufzubauen. Konzertbesuche – vor allem in der Metalszene – gehörten fest zu ihrem Alltag. Dann die Diagnose: schwere aplastische Anämie. Statt Sport, Natur und Musik bestimmen nun Krankenhausaufenthalte, Therapien und Medikamente ihren Tagesrhythmus. Weil die Medikamente ihr Immunsystem unterdrücken, muss sie Konzertbesuche vorerst vollständig aufgeben.

Aplastische Anämie: Selbst kleinste Blutungen können lebensbedrohlich werden

Was die Autoimmunerkrankung im Körper anrichtet, ist gravierend. Wie das Onkopedia-Leitlinienprogramm zur aplastischen Anämie ausführt, ist bei der schweren Form des Knochenmarkversagens eine spontane Rückbildung nicht möglich und die allogene Stammzelltransplantation die einzige kurative Therapieoption.

Wie es einem kleinen Patienten erging, der nach seiner Schock-Diagnose schwere aplastische Anämie den Überlebenskampf gewann, zeigt, dass selbst jüngste Kinder von der Krankheit betroffen sein können – und dass eine passende Spende über Leben und Tod entscheiden kann:

  • Das Knochenmark stellt die Produktion gesunder Blutzellen ein oder verringert sie drastisch.
  • Selbst kleinste Blutungen können lebensbedrohlich werden.
  • Eine spontane Rückbildung der schweren Form ist nach aktuellem medizinischen Stand nicht möglich.
  • Die einzige kurative Therapieoption bei schwerer aplastischer Anämie ist die allogene Stammzelltransplantation.
  • Für eine erfolgreiche Transplantation muss ein Spender mit passenden HLA-Gewebemerkmalen – ein sogenannter "genetischer Zwilling" – gefunden werden.

Stäbchen rein, Spender sein: "Jetzt brauche ich die Hilfe von allen Rock- und Metalheads"

Am Sonntag, 10. Mai 2026, wandte sich Fabienne selbst in der Facebook-Gruppe "Wacken Open Air Fans" an die Community. "Hey zusammen, ich bin Fabienne. Sorry, dass mein erster Post gleich so ich-bezogen ist", schrieb sie und bekennt "eigentlich nicht viel auf FB unterwegs" zu sein, sondern eher im Leipziger Metal-Liveclub Hellraiser.

"Aber jetzt brauche ich die Hilfe von allen Rock- und Metalheads", appellierte sie an die Wacken-Fans und erklärte ihre Krankheitsgeschichte. "Stäbchen rein, Spender sein – den Spruch habt ihr bestimmt alle schon mal gehört und es ist wirklich so einfach." Der Aufruf traf einen Nerv. Innerhalb kürzester Zeit standen solidarische Kommentare unter dem Beitrag. Dass ein solcher Spendenaufruf Früchte tragen kann, belegt die Geschichte einer Fränkin, die ihren Stammzellen-Empfänger nach der lebensrettenden Knochenmarkspende persönlich traf – auch er hatte zuvor an schwerer aplastischer Anämie gelitten.

Die Resonanz aus der Metal-Community war überwältigend. Viele Nutzerinnen und Nutzer bekundeten ihre Unterstützung, selbst wenn sie selbst aus medizinischen oder altersbedingten Gründen nicht als Spender infrage kommen. Eine Userin schrieb stellvertretend für viele: "Ich drücke dir die Daumen. Ich war lange in der Kartei und nun altersmäßig leider raus."

Viel Zuspruch für "Kämpferin" gegen "die Arschlochkrankheit"

Besonders berührend war die Nachricht einer anderen Kommentatorin, die nach eigener Aussage vor sechs Jahren in derselben Lage wie Fabienne war und dank einer Stammzellspende überlebte – und 2023 sogar als Volontärin der DKMS beim Wacken Open Air dabei sein durfte: "Hey Kämpferin, war vor 6 Jahren in derselben Situation und durfte dank einer Stammzellenspende selbst 2023 als Volontärin bei der DKMS auf Wacken am Start sein. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Kraft für den Kampf. Bitte lasst euch registrieren! Es dauert wenige Minuten und rettet Leben!"

Weitere Stimmen aus der Community zeigen, wie breit die Solidarität ist:

  • "Ich drücke dir ganz feste die Daumen, dass du die Arschlochkrankheit besiegst! Würde gerne spenden, darf nur leider nicht, da ich vor Jahren ein ähnliches Problem hatte."
  • "Daumen gedrückt und geteilt. Bin schon ewig registriert."
  • "Ich bin schon lange registriert und wünsche dir von Herzen alles Gute und dass dein genetischer Zwilling schnell gefunden wird."
  • "Hallo Fabienne, ich bin schon sehr lange registriert und teile sehr gerne deinen Beitrag. Von Metalhead zu Metalhead – die fette Pommesgabel für dich."
  • "Einer meiner besten Freunde braucht auch eine Spende, daher können gar nicht genug registriert sein."

Eine Registrierungsaktion und ein weltweites Netz

Um die Suche nach Fabiennes genetischem Zwilling zu unterstützen, haben ihre Familie und Freundinnen und Freunde gemeinsam mit der gemeinnützigen Organisation DKMS eine Registrierungsaktion ins Leben gerufen. Am 1. Mai fand diese bei der Freiwilligen Feuerwehr in Wenzlow (Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg) statt. Wer keine Gelegenheit hatte, vorbeizukommen, kann sich unter www.dkms.de/fabienne ein kostenloses Registrierungsset nach Hause bestellen. Wie eine solche Registrierungsaktion für einen zwölfjährigen Blutkrebspatienten aus dem Kreis Bamberg ablief und welche Hoffnung sie für Betroffene bedeutet, zeigt, wie wichtig solche Aktionen im Kampf gegen Blutkrebs und verwandte Erkrankungen sind. Die Registrierung selbst ist denkbar unkompliziert:

  1. Wangenabstrich mit drei beiliegenden Wattestäbchen durchführen.
  2. Einwilligungserklärung unterschreiben.
  3. Das Set schnellstmöglich – idealerweise innerhalb von 14 Tagen – per Post an die DKMS zurücksenden.

Danach werden die Gewebemerkmale im Labor bestimmt und die pseudonymisierten Daten in die weltweite Spendersuche eingespeist. Wer bereits registriert ist, muss nicht erneut teilnehmen. Eine Stammzellspende ist ab dem 18. Geburtstag bis zum vollendeten 61. Lebensjahr möglich – besonders gefragt sind aus medizinischen Gründen jedoch jüngere Spenderinnen und Spender. Was genau bei einer Stammzellenspende oder Knochenmarkspende passiert, welche Risiken bestehen und wie der Ablauf im Detail aussieht, wird von der DKMS transparent kommuniziert – die Risiken für Spenderinnen und Spender sind dabei äußerst gering. Laut DKMS Media Center werden 68 Prozent aller Stammzellspenden von jungen Spendern geleistet.

Warum Neuregistrierungen so dringend gebraucht werden

Die Zahlen verdeutlichen, wie ernst die Lage ist: Im Jahr 2026 werden von den aktuell mehr als acht Millionen in Deutschland registrierten Personen rund 160.000 Menschen altersbedingt aus der Spenderdatei ausscheiden – etwa sieben Prozent mehr als im Vorjahr, wie das DKMS Media Center zum Weltkrebstag 2026 berichtet. Neue Registrierungen sind also nicht nur eine nette Geste, sondern eine medizinische Notwendigkeit. Für jeden neu aufgenommenen Spender entstehen der gemeinnützigen DKMS Kosten von rund 50 Euro – auch Geldspenden können daher Leben retten. Dass Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber der Typisierung und Knochenmarkspende durch transparente Aufklärung abgebaut werden müssen, betonen Expertinnen und Experten immer wieder – denn noch immer zögern viele Menschen, den einfachen ersten Schritt zur Registrierung zu gehen.

Fabiennes Mutter Janett bringt es auf den Punkt: "Es kann jeden treffen. Ein passendes Match zwischen Spender und Empfänger ist eine zweite Chance auf Leben, und das ist das größte Geschenk, das man jemandem machen kann." Ihr Partner Johannes ergänzt: "Fabienne ist liebevoll, lebensfroh und mutig. Sie ist das Beste, was mir passieren konnte." Was sie am meisten vermisst, ist das Selbstverständliche: unbeschwerte Zeit mit ihrer Familie, ihrem Hund Mika – und natürlich die Musik, die Rock- und Metalkonzerte, die einmal ihren Alltag bereicherten.

Wenn in wenigen Wochen 85.000 Fans zu Judas Priest, Def Leppard und Powerwolf nach Wacken pilgern und das 35. Jubiläum des Wacken Open Air feiern, hofft Fabienne, dass möglichst viele von ihnen vorher noch einen Wangenabstrich gemacht haben. Alles, was dafür gebraucht wird, ist ein Wattestäbchen und ein frankierter Umschlag.