Autofahrer in Deutschland bekommen das an der Zapfsäule zu spüren. Nach Einschätzung des ADAC könnte 2026 das bislang teuerste Tankjahr überhaupt werden. Und je länger die Energiepreise hoch bleiben, umso größer die Gefahr, dass auch andere Preise steigen, weil zum Beispiel Transport und Kühlung von Lebensmitteln teurer werden. Dazu kommen die Folgen von Hitze und Trockenheit, die die Ernte schmälern.
Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Fondsanbieter Union Investment, geht zwar davon aus, dass der Inflationsgipfel erreicht ist. «Der Rückgang der Teuerung wird allerdings zäh. Höhere Kosten stecken weiterhin in Teilen des Warenkorbs, vor allem bei Nahrungsmitteln und Gütern mit hohen Transportkosten», meint er.
Michael Heise, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter HQ Trust, prognostiziert: «Bei den Dienstleistungen ist kurzfristig kaum mit einer deutlichen Entspannung zu rechnen. Steigende Erzeugerpreise sprechen auch bei Waren für anhaltenden Preisdruck.» Im August setzte sich vorerst der Trend zu einem nachlassenden Preisauftrieb bei Dienstleistungen fort, die Preise hier lagen um 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.
Tariflöhne steigen wohl stärker als die Preise
Je höher die Teuerungsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen: Sie können sich für einen Euro dann weniger leisten und halten sich mit größeren Anschaffungen zurück. Der private Konsum, der in guten Zeiten eine wichtige Stütze der Konjunktur ist, schwächelt seit Monaten.
Millionen Tarifbeschäftigte können zumindest darauf hoffen, dass sie nach Abzug der Inflation dieses Jahr etwas mehr Geld im Portemonnaie haben. Unter dem Strich könnte ein realer Lohnzuwachs von 0,7 Prozent bleiben, wie das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung errechnet hat. Allerdings wird sich erst am Ende des Jahres zeigen, ob die Rechnung aufgeht, denn die Teuerungsrate könnte noch steigen und in einigen großen Branchen gibt es bisher keine Tarifabschlüsse, die das WSI berücksichtigen konnte.
Hebt die EZB die Leitzinsen an?
Weil zuletzt auch die Inflation im Euroraum stieg - im Juli auf 2,9 Prozent - erwarten Volkswirte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer nächsten Sitzung am 10. September die Leitzinsen im Euroraum zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben wird. Mit höheren Zinsen kann die Notenbank die Inflation dämpfen, weil dann Kredite teurer werden und die Nachfrage gebremst wird. Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an. Bei dieser Marke sieht sie ihr oberstes Ziel erfüllt: für stabile Preise und einen stabilen Euro zu sorgen.
Derzeit liegt der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins im Euroraum bei 2,25 Prozent. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sprach sich jüngst in einem Interview für höhere Leitzinsen zur Eindämmung der Inflationsrisiken aus. Beim aktuellen Leitzins sei es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig auf das anvisierte Ziel von 2,0 Prozent zurückkehre, sagte Schnabel: «Daher wird eine weitere Straffung erforderlich sein.»