Die Elektronik-Branche musste zuletzt sinkende Umsätze hinnehmen. Kann die IFA als Jahreshöhepunkt der Branche den Herstellern aus dem Umsatztal helfen? Ihr Chef möchte die Herausforderung annehmen.
Nach einem schwierigen ersten Halbjahr für die Hersteller von Haushaltselektronik will die Technikmesse IFA der Branche neuen Schwung verleihen. Aufgabe der IFA sei es, in diesem schwierigen Umfeld den Fokus auf die Branche zu legen und die Motivation der Menschen zu erhöhen, für Elektronikprodukte Geld auszugeben, sagte IFA-Chef Leif Lindner der Deutschen Presse-Agentur.
Branche mit Umsatzminus im ersten Halbjahr
Die Branche steht nicht zuletzt aufgrund der angespannten Weltlage unter Druck. Im ersten Halbjahr lag der Umsatz mit sogenannten technischen Konsumgütern in Deutschland bei 20,6 Milliarden Euro - das sind 2,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. «Die Konsumstimmung verharrt, bedingt durch die Weltlage und damit verbundene Sparneigung und allgemeine Verunsicherung der Verbraucher, auf einem niedrigen Niveau», sagte dazu kürzlich Carine Chardon, Geschäftsführerin der Branchenorganisation GFU Consumer & Home Electronics.
Lindner betonte, dass die Sparneigung in Deutschland überdimensional hoch sei. «Man schützt sich hier eher und hält sein Geld beisammen.» Zudem sei der stockende Wohnungsneubau ein Problem besonders für die Haushaltsgerätebranche. «Wenn ein Mensch umzieht, hat das statistisch gesehen eine Auswirkung auf sechs weitere Haushalte», sagte Lindner. Weniger Neubau werde so schnell zu einem «massiven Problem».
Neue Ausrichtung der IFA wird weiter vorangetrieben
Die IFA gibt es bereits seit mehr als 100 Jahren, unter Lindner hat sie sich zuletzt deutlich verändert. Viel Staub wurde abgekratzt, knalligere Farben prägen das Design. Die drei Buchstaben stehen inzwischen nicht mehr für Internationale Funkausstellung, sondern für den etwas allgemeinen Slogan Innovation for All.
Die Veranstalter sprechen zudem in der Regel von einem Event, nicht von einer Ausstellung oder Messe. Viele Formate zum Mitmachen und Technik ausprobieren werden angeboten, unter anderem wurde für die diesjährige Ausgabe der Bereich Beauty & Wellbeing vergrößert.
«Im Ausland werden Messen wie die IFA in der Regel als Show, punktuell auch als Festivals gesehen», sagte Lindner. Entertainment neben dem klassischen Messegeschäft sei wichtig, ebenso die Ausrichtung hin zu einem jüngeren Publikum.
Lindner: IFA-Besucher sind jünger geworden, deutlich mehr Frauen dabei
Bei der IFA gibt es inzwischen auch viele Angebote für und mit Internetstars, die während der Ausstellung Videoclips drehen oder auch Podcasts aufnehmen können. Im IFA-Sommergarten treten unter anderem die Berliner Rapperin Ikkimel und Luciano auf, auch hier dürften vor allem junge Menschen Tickets gekauft haben.