Der Schock nach einer Chaosfahrt in Hofgeismar sitzt tief. Am Freitag waren dabei acht Menschen verletzt worden. Innenminister Roman Poseck (CDU) spricht von einem tragischen Einzelfall.
Nach der folgenschweren Autofahrt durch eine Fußgängerzone mit mehreren Verletzten im nordhessischen Hofgeismar laufen die Ermittlungen zu dem Vorfall weiter. Dabei waren am Freitag nach ersten Angaben der Polizei acht Menschen verletzt worden.
Vier der Verletzten waren vorsorglich in Krankenhäuser gebracht worden, sie hatten nach Polizeiangaben Schürfwunden, Prellungen oder Schocks davongetragen. Schwere Verletzungen sollen bei keinem der verletzten Passanten vorgelegen haben.
Update vom 22.08.2026, 8.17 Uhr: Hofgeismar-Chaosfahrt "kein Anlass, weitere Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen"
Mit Blick auf den Schutz vor solchen und anderen Vorfällen mit Autos erklärte Innenminister Roman Poseck (CDU), die Sicherheitsmaßnahmen seien in den Innenstädten in Hessen bereits allgemein hoch.
"Fußgängerzonen sind häufig bereits durch Poller abgesichert", so der Minister. "Das Unfallgeschehen in Hofgeismar bietet aus meiner Sicht keinen Anlass, weitere Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen und noch mehr Poller einzusetzen."
Es handele sich um einen tragischen Einzelfall. "So etwas lässt sich leider niemals und nirgendwo komplett ausschließen. Innenstädte müssen auch grundsätzlich erreichbar bleiben."
"Tragisches Unfallgeschehen": Wohl keine vorsätzliche Tat
Poseck hatte am Freitag deutlich gemacht, dass er keine vorsätzliche Tat sieht. "Nach allen mir vorliegenden Informationen ist in Hofgeismar von einem tragischen Unfallgeschehen infolge eines medizinischen Notfalls auszugehen", hatte er laut Mitteilung erklärt.
Seine Gedanken seien bei den Verletzten "und denjenigen, die durch den Vorfall in Angst und Schrecken versetzt wurden. Ich wünsche ihnen, dass sie schnell und vollständig genesen", so der Minister, der sich auch bei den Einsatzkräften bedankte.
Der Vorfall hatte in der Kleinstadt mit knapp 16.000 Einwohnern große Aufregung ausgelöst. Laut Hauptamtsleiter Chris Dworak war sofort die Frage aufgekommen, welchen Hintergrund der Vorfall haben könnte. Das Telefon habe nicht mehr stillgestanden.
Irrfahrt in Hofgeismar ging mehrere Hundert Meter
Das Auto war nach Polizeiangaben nach einer mehrere Hundert Meter langen Irrfahrt gegen ein Kaufhaus-Schaufenster geprallt. Der Fahrer des Wagens, bei dem es sich laut Polizei um einen 68 Jahre alten Mann aus Hofgeismar (Landkreis Kassel) handelt, wurde von einem Notarzt behandelt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und befand sich laut Polizei in einem kritischen Zustand. Passanten hätten zuvor bei dem Mann in seinem Auto Erste Hilfe geleistet.
Offizielle Statistiken, wie häufig es zu medizinischen Notfällen hinter dem Steuer von Autos kommt, gibt es derweil laut Automobilclub ADAC nicht. Im konkreten Fall sei auch nicht bekannt, um welche Art Notfall es sich handelte. Ganz allgemein gelte aber, dass Autofahrer, die gesundheitliche Beeinträchtigungen bei sich feststellen, ihren Wagen möglichst rasch und sicher zum Stillstand bringen und bei Bedarf - sofern ihnen dies möglich ist - den Notruf verständigen sollten, wie ein Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen sagte.
Auf Autobahnen etwa sollte das Fahrzeug möglichst auf den Seitenstreifen oder einen Parkplatz gelenkt werden, sofern der Autofahrer oder die -fahrerin dazu in der Lage ist. Es gehe um den Schutz der eigenen Gesundheit, aber auch den anderer Verkehrsteilnehmer. Medizinische Notfälle könnten letztlich jeden Autofahrenden treffen.
Update vom 21.08.2026, 19.40 Uhr: Hessens Innenminister dankt allen Helfern
Wie zuvor die Polizei machte auch Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) am Nachmittag deutlich, dass er keine vorsätzliche Tat sehe. "Nach allen mir vorliegenden Informationen ist in Hofgeismar von einem tragischen Unfallgeschehen infolge eines medizinischen Notfalls auszugehen", erklärte er laut Mitteilung.
Seine Gedanken seien bei den Verletzten "und denjenigen, die durch den Vorfall in Angst und Schrecken versetzt wurden. Ich wünsche ihnen, dass sie schnell und vollständig genesen", erklärte Poseck. Zugleich bedankte er sich "bei allen, die in Hofgeismar im Einsatz sind und waren, um den Verletzten zu helfen und Unterstützung zu leisten".
Ursprungsmeldung vom 21.08.2026, 13.16 Uhr: Auto rast durch Fußgängerzone in Hessen - was passiert ist
Das Fahrzeug prallte den Angaben zufolge nach der Fahrt am Freitagvormittag (21. August 2026) um etwa 10.30 Uhr gegen die Fassade eines Kaufhauses. Polizei und Rettungsdienst sind mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. Der Fahrer des Autos wurde von einem Notarzt behandelt und in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben von Beamten befindet er sich in einem kritischen Zustand.
Passanten hätten bei dem Fahrer in seinem Auto sofort Erste Hilfe geleistet. Es handelt sich laut Polizei um einen 68 Jahre alten Mann aus Hofgeismar (Landkreis Kassel). In der Fußgängerzone entstand ein hoher Sachschaden.
Fotos der Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) zeigen Tischplatten, Sitzpolster und Regale, die auf der Straße verstreut liegen. Dazwischen befinden sich kleine Eimer mit Straßenmalkreiden für Kinder. In einem Video sind ein Feuerwehrauto, rot-weiße Absperrbänder und Warnhütchen zu sehen. Der abgesperrte Bereich befindet sich in einer Fußgängerzone, die von Fachwerkhäusern gesäumt ist.
Was Zeugen berichten
"Zeugen gaben gegenüber den vor Ort eingesetzten Polizisten an, dass ihnen der Autofahrer zuvor an einem Zebrastreifen unweit der Mühlenstraße aufgefallen war", berichtet die Polizei. Dieser habe "augenscheinlich medizinische Probleme" gehabt. "Als sie den am Steuer sitzenden Mann ansprechen wollten, sei der Mercedes plötzlich mit hoher Geschwindigkeit in die Fußgängerzone gefahren, wo er mehrere Passanten erfasste, mit den Außenständern der Geschäfte kollidierte, gegen das Schaufenster des Kaufhauses fuhr und kurz danach schließlich stehenblieb."
Hauptamtsleiter Dworak sagte, es habe sofort Abstimmungen zwischen Bürgermeister Torben Busse (CDU), dem Stadtbrandinspektor und 1. Stadtrat sowie der Polizei gegeben. Zudem seien die Kindertagesstätten der Stadt vorsorglich informiert worden. Der Vorfall habe sich zu einem Zeitpunkt am Vormittag ereignet, zu dem sich zahlreiche Menschen in der Fußgängerzone aufgehalten haben dürften.
Der Vorfall weckte zunächst Erinnerungen an eine Tat im ebenfalls nordhessischen Volkmarsen - damals, im Februar 2020, steuerte ein Mann absichtlich sein Auto in einen Karnevalsumzug. Mindestens 88 Menschen, darunter 26 Kinder, wurden teils schwer verletzt. Der Fahrer wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt.
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