Die Folgen des Iran-Kriegs spüren Verbraucher in Deutschland schon - an der Tankstelle. Womöglich wird es nicht dabei bleiben. Auch Lebensmittel könnten teurer werden.
Verbraucher in Deutschland müssen sich wegen des Iran-Kriegs auf deutlich steigende Preise einstellen. «Natürlich könnte der Krieg Kosteneffekte bei Lebensmitteln nach sich ziehen. Die Beschaffungswege sind kosten- und energieintensiv», sagte Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln. Schon nach Beginn des Kriegs in der Ukraine seien die gestiegenen Ausgaben für Lieferung, Logistik und Energie bei den Verbrauchern angekommen, so Hedde.
Auch Michael Grömling, Forscher am Institut der deutschen Wirtschaft (IW), hält solche Folgen für möglich: «Die aktuelle Nahostkrise dürfte die gesamte Rohstoffproblematik und damit die inländischen Produktionskosten weiter beeinträchtigen.» Wann und wie stark dies auf die Lebensmittelpreise für Endverbraucher durchschlage, sei derzeit schwer abzuschätzen. Das hänge von der Dauer der Krise und den vielfältigen Störungen im Welthandel ab.
Der Handelsexperte Stephan Rüschen geht davon aus, dass der höhere Ölpreis Lebensmittel kurzfristig allenfalls geringfügig verteuert. «Produkte, die aus der Region importiert werden, werden vermutlich sprunghaft im Preis steigen», sagte der Professor der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Betroffen seien eher Randprodukte wie Datteln, Nüsse, Pistazien und einige Gewürze.
Sein Kollege Carsten Kortum hält es für möglich, dass die Inflationsrate durch die Sperrung der Straße von Hormus wieder auf drei bis vier Prozent steigen könnte. Betroffen seien besonders Japan und China, die ihren Energiebedarf nun anderswo decken müssten. «Angebot und Nachfrage werden dann zu höheren Preisen führen», sagte der Handelsexperte der «Heilbronner Stimme». Wann sich dies im Supermarktregal bemerkbar mache, sei offen. Bei Artikeln wie Backwaren oder Milchprodukten könne es schneller passieren.
Ernährungsindustrie warnt vor steigenden Kosten
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) erwartet durch die Kostensteigerungen bei Gas und Öl Auswirkungen auf die Produktion von Lebensmitteln und Getränken. Viele Produktionsprozesse wie Trocknen oder Backen seien auf Erdgas angewiesen. Steigende Ölpreise verteuern laut Verband Diesel- und Kraftstoffe und so insbesondere die Logistik. Gesperrte Transportwege, längere Routen und geringere Containerkapazitäten erhöhten Fracht- und Logistikkosten.
BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff fordert Sofortmaßnahmen von der Politik wie etwa die Reaktivierung der Gaspreisbremse. «Wer den drohenden Kosten-Tsunami für die Lebensmittelbranche stoppen will, um den Verbraucher nicht zusätzlich zu belasten, muss jetzt konsequent handeln.»
Die Menschen in Deutschland haben zuletzt bereits ihre Erfahrungen gemacht mit gestiegenen Preisen. Der russische Angriff auf die Ukraine löste im Jahr 2022 eine Inflationswelle aus - anschließend verteuerten sich Energie und Lebensmittel stark. Der Preisauftrieb hat sich inzwischen zwar abgeschwächt, dennoch sind die Alltagskosten weiterhin hoch. Im Januar lagen die Verbraucherpreise im Schnitt knapp 23 Prozent über dem Niveau von 2020, Nahrungsmittel verteuerten sich seitdem um fast 38 Prozent.