Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die ohnehin lahmende deutsche Wirtschaft. Macht der Iran-Krieg den mit vielen Milliarden erkauften Aufschwung zunichte? Ökonomen haben noch Hoffnung.
Rasanter Anstieg der Ölpreise, gestörter Luftverkehr, faktische Blockade der Straße von Hormus: Der Iran-Krieg hat längst Folgen für die Wirtschaft. Doch wie stark trifft er die ohnehin angeschlagene Konjunktur in Deutschland? Und kann er den erhofften, mit riesigen Staatsausgaben für Rüstung und Infrastruktur gestützten Aufschwung zunichtemachen? Hier gehen die Einschätzungen von Ökonomen auseinander.
Recht zuversichtlich ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Ihm zufolge dürfte der Iran-Krieg die Erholung der deutschen Wirtschaft nur leicht belasten. Unter der Annahme, dass der stärkste Energiepreisschub bereits vorbei ist und die Öl‑ und Gaspreise im zweiten Quartal abebben, dürften sie das Wachstum lediglich um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte dämpfen.
«Insgesamt wird die Erholung der deutschen Wirtschaft damit zwar gebremst, aber nicht gestoppt», schreibt das DIW. Das wahrscheinliche Szenario sei, dass die Energiepreise nicht dauerhaft steigen, sagte Präsident Marcel Fratzscher. 2026 werde die deutsche Wirtschaft trotzdem um 1,0 Prozent zulegen und 2027 um 1,4 Prozent.
Die Erholung der deutschen Wirtschaft dürfte sich festigen, meint Geraldine Dany-Knedlik, die die Konjunkturprognosen beim DIW verantwortet. Die Schwachstellen blieben aber der Außenhandel und die exportstarke Industrie, wo teures Öl Branchen wie Chemie, Transport und Maschinenbau belaste.
Insgesamt falle der Anstieg der Öl- und Gaspreise aber deutlich geringer aus als während der Energiekrise 2022 und 2023 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, erklärt das DIW. «Deutschland ist heute weniger von fossiler Energie aus der Golfregion abhängig als damals von Gas und Öl aus Russland.»
Ölschock für Verbraucher und Industrie?
Vor allem der Stillstand des Schiffverkehrs in der Straße von Hormus, durch den sonst ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggasbedarfs transportiert wird, macht Ökonomen Sorgen. Am Montag waren die Preise für Brent-Rohöl auf fast 120 Dollar je Fass gestiegen, bevor die Preise wieder nachgaben. Der Gaspreis an den Börsen hat sich laut DIW fast verdoppelt.
«Wenn der Weltwirtschaft dauerhaft 20 Prozent der Kapazitäten bei Öl und Gas fehlen, wäre das heftig», sagte der neue «Wirtschaftsweise» Gabriel Felbermayr dem «Handelsblatt». Das sei der schlimmste anzunehmende Fall. Für jede zehn Dollar, die sich ein Ölfass verteure, werde das Wachstum in Industriestaaten um zehn Prozent geschmälert.