Deutschlands Wirtschaft legt Ende 2025 vergleichsweise kräftig zu. Im laufenden Jahr sollen staatliche Milliarden den Aufschwung ankurbeln. Das hat aber auch Schattenseiten.
Dank des besten Quartals seit drei Jahren geht die deutsche Wirtschaft mit Rückenwind ins Jahr 2026. Im vierten Quartal 2025 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt bestätigte. Allerdings waren die Löcher im Staatshaushalt im vergangenen Jahr deutlich größer als zunächst angenommen.
Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung betrug das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung wie ein Jahr zuvor 2,7 Prozent. Auf vorläufiger Basis hatte die Wiesbadener Behörde das Minus für 2025 noch auf 2,4 Prozent beziffert. Deutschland hielt dennoch die europäische Verschuldungsregel ein, die ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent erlauben.
Noch größere Haushaltslöcher erwartet
Die Bundesbank rechnet damit, dass sich die Defizitquote bis 2027 auf viereinhalb Prozent erhöhen wird, weil der Staat schuldenfinanziert gewaltige Milliardensummen in Straßen, Schienen und Verteidigung stecken will.
«Vorübergehend höhere Defizite sind nachvollziehbar, um die Herausforderungen bei Verteidigung und Infrastruktur schnell zu bewältigen», schreibt die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht. Wichtig sei jedoch, die zusätzlichen Milliarden zielgenau einzusetzen. Außerdem brauche es «eine verlässliche Perspektive, wie die hohen Defizite wieder zurückgeführt werden», appelliert die Notenbank an die Bundesregierung.
Die Bundesbank warnt: «Ohne ein Gegensteuern des Bundes zur Einhaltung der Schuldenbremse würde die Defizitquote 2028 weiter Richtung fünf Prozent steigen.» Über die Zukunft der Schuldenbremse, die reformiert werden soll, herrscht innerhalb der Bundesregierung Uneinigkeit. Während die SPD mehr Spielraum für Investitionen etwa in Infrastruktur, Kitas und Schulen will, lehnt die Union eine weitere Lockerung der Schuldenbremse ab.
Staatsausgaben wachsen schneller als die Einnahmen
2025 gab der Fiskus 119,1 Milliarden Euro mehr aus, als er einnahm. Damit war das Defizit um rund vier Milliarden Euro höher als ein Jahr zuvor. Zwar stiegen Sozialbeiträge und Steuereinnahmen deutlich, doch insgesamt wuchsen die Staatsausgaben schneller als die Einnahmen. Auch waren die Zinsausgaben 2025 um gut acht Prozent höher als ein Jahr zuvor, zudem stiegen die Sozialleistungen, vor allem für Renten und Pensionen, aber auch für Gesundheit.
Während das Finanzierungsdefizit des Bundes im Vergleich zum Vorjahr um fast 19 Milliarden Euro auf 79,6 Milliarden Euro stieg, konnten die Länder ihr Defizit auf knapp 10 Milliarden Euro mehr als halbieren.