Klar sei aber auch, dass ein Dax-Anstieg nicht ohne Rückschläge verlaufen dürfte. So könnten geopolitische Spannungen sowie Sorgen um eine KI-Blase für Dämpfer sorgen.
Niedrigere Ölpreise helfen
Aktien profitieren derzeit auch von niedrigeren Ölpreisen. Der Angriff der USA auf Venezuela und die Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro sorgt nicht für Verunsicherung, sondern eher für Hoffnung auf sinkende Ölpreise, die sich schon ein Stück weit bewahrheitet hat. Billigeres Öl ist gut für die Weltwirtschaft, könnten den Inflationsdruck mindern und weitere Zinssenkungen durch Notenbanken bedeuten.
«Neujahrsrally im vollen Gang»
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank nennt drei Gründe für den Dax-Anstieg: erstens die Erleichterung darüber, dass es wegen der US-Attacke auf Venezuela nicht zu einem militärischen Konflikt gekommen ist, zweitens die Aussicht auf mittelfristig sinkende Ölpreise und drittens eine neue Lust der Anleger auf Aktien außerhalb der USA. Die «Neujahres-Rally» im Dax sei in vollem Gang.
Auch der MDax der mittelgroßen Börsenwerte ist im Aufwind und erreichte den höchsten Kurs seit Frühjahr 2022. Er schloss 1,24 Prozent höher auf 32.064,64 Zählern.
Dow Jones Industrial steuert auf 50.000 Punkte zu
Mit Blick auf Europa schloss der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 0,14 Prozent tiefer auf 5.923,57 Punkten. In den USA zeigten sich die wichtigsten Indizes uneinheitlich. Der Dow Jones Industrial gab etwas nach, hat aber die Marke von 50.000 Punkten im Visier, während der Nasdaq 100 leicht stieg. Der Boom um KI beflügelt zudem die Kurse von Techriesen wie Nvidia, Alphabet oder Microsoft.
Das Boom-Thema Künstliche Intelligenz befeuerte am Mittwoch auch Siemens-Aktien. Der Industriekonzern und der US-Chipriese Nvidia weiten ihre Zusammenarbeit in dem Bereich aus, wie Siemens-Chef Roland Busch und Nvidia-Chef Jensen Huang zur Eröffnung der Technikmesse CES bekanntgaben. Siemens-Papiere stiegen auf ein Rekordhoch.
So hoch wie nie zuvor kletterten auch Aktien von Heidelberg Materials. Der Baustoffkonzern gilt als Profiteur steigender Investitionen für Infrastruktur in Deutschland sowie eines möglichen Wiederaufbaus der Ukraine im Falle einer Friedenslösung.
Rekorde trotz Wirtschaftskrise
Die Rally an den Börsen steht in starkem Gegensatz zur Wirtschaftsflaute in Deutschland. Die Blicke der Investoren richten sich oft aber nicht auf die aktuelle Lage, sondern auf künftige Gewinne. Zudem sind die 40 Dax-Konzerne international aufgestellt und machen rund 80 Prozent ihrer Umsätze im Ausland.
Dekabank-Ökonom Kater sieht aber auch Risiken im neuen Börsenjahr: So könnten die geopolitischen Rivalitäten schnell zu Stolpersteinen für die Weltwirtschaft werden, etwa in Form neuer Kriege. Daher könnten die Aktienmärkte auch wieder nach unten schwanken. Das sei aber kein Argument gegen Aktien. «Langfristig haben die Märkte alle Herausforderungen der Politik überstanden und am Ende immer neue Höchststände geliefert.»