Warum ist der Aktienkurs abgeschmiert?
In der Branche machte zuletzt die «SaaS-Apokalypse» die Runde. «Die Sorge ist, dass KI-Programme oder KI-Agenten selbstständig Aufgaben übernehmen können, wofür SAP und alle großen Softwarehersteller bisher Lizenzen verkaufen», sagt der Analyst Oliver Frey vom Bankhaus Metzler. Die Kunden bräuchten dann die ganzen Abos nicht mehr, das «klassische Pro-Nutzer-pro-Monat-Modell» wäre ausgehebelt. Das treffe nicht nur SAP, sondern eigentlich alle großen Softwareunternehmen.
«KI wird das zentrale Thema bei SAP sein», sagt Frey. Bei Software werde es in Zukunft wahrscheinlich eine zentrale KI-Ebene geben, von der die Agenten - also Programme, die eine Abfolge von Aufgaben eigenständig erfüllen - dann auf die Systeme im Hintergrund zugreifen und die Anfragen steuern. «Genau darüber diskutiert jetzt der Markt: Wer wird diese Orchestrierungsebene für sich beanspruchen?»
Die Sorge sei, dass SAP die Steuerungsebene verliert und zum Datenlieferanten wird. Gleichzeitig sei dieser Datenschatz eine Stärke und ein Alleinstellungsmerkmal von SAP. «Es wird schwierig werden, SAP diese großen Systeme wegzunehmen, die seit Jahrzehnten im Einsatz sind», sagt Frey. Und: «SAP ist der Platzhirsch, was Unternehmenssoftware angeht und hat natürlich eine gute Ausgangslage.» Wichtig werde sein, dass SAP KI in das Produktportfolio einbauen kann und möglichst viele Anwendungen schafft, die den Kunden nützen.
«Das KI-Damoklesschwert schwebt nicht nur über SAP, sondern über der ganzen Softwarebranche», sagt LBBW-Analyst Mirko Maier. Für den deutlichen Kursrückgang sei das Thema KI einer der Hauptauslöser gewesen. SAP habe gerade den Wandel vom klassischen Lizenzverkäufer zum Cloud-Anbieter geschafft und dafür ein paar Jahre gebraucht.
«Jetzt kommt das nächste Thema um die Ecke und da hat der Kapitalmarkt vielleicht durchaus seine Bedenken, wenn das jetzt wieder ein langjähriger Umstieg wird, der das Geschäftsmodell nachhaltig tangiert und zu einer sichtbaren Durststrecke beim Ertrag führt», sagt Maier. Aber: «Wenn SAP beweist, dass sie wirklich einer der Profiteure von KI sind, dann kann sich die Meinung am Markt wandeln.»
Was sagt SAP zum Aktienkurs?
«Die Entwicklung des SAP-Aktienkurses spiegelte die allgemeine Marktvolatilität, geopolitische Unsicherheiten sowie veränderte Anlegerpräferenzen im Technologiesektor wider, die zuletzt insbesondere durch die Dynamik rund um Künstliche Intelligenz geprägt waren», teilte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mit. Ungeachtet dieser Schwankungen habe SAP eine starke operative Entwicklung gezeigt und die langfristige Strategie konsequent umgesetzt.
«Wir sind nicht die Einzigen, die gerade unter Druck stehen, es betrifft nahezu die gesamte Softwareindustrie», sagte SAP-Chef Klein dem «Manager Magazin» Ende Januar. Aber SAP werde den Trend umkehren. «Am Ende muss KI echten Geschäftswert in den Unternehmen schaffen - der Hype wird auch bei der angewandten KI ankommen», sagte er.