Attentäter als «Hochrisikofall» eingestuft
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel berichtete, die Polizei habe Abdul B. Mitte Mai nach dem Urteil seiner Entlassung aus U-Haft als «Hochrisikofall» eingestuft. Dann sei er observiert und mit einer Kamera überwacht worden, sein Telefon sei abgehört worden.
«Wir haben nichts, aber auch gar nichts gefunden, was uns zu einer Prognose gebracht hätte, die zu einer Fußfessel oder Präventivhaft geführt hätte», beteuerte sie. «Das war für uns so nicht erkennbar.» Eine durchgehende Observation rund um die Uhr sei kaum möglich und werde nur gemacht, «wenn man sehr klare und konkrete Hinweise auf eine Straftat hat».
«Observation kein Allheilmittel»
Slowik Meisel sagte weiter: «Aber wir haben diesen Mann überhaupt nicht aus dem Blick gelassen, in keiner Weise und schon gar nicht aus Ressourcengründen.» Observationen hätten das Ziel, eine Datengrundlage zu schaffen und Bewegungsbilder zu erstellen und nicht, Taten zu verhindern. «Selbst wenn man jemanden ganz eng begleitet, wenn der in einen Bus steigt, ist das LKA im Auto dahinter und könnte eine Tat in einem Bus nicht verhindern. Das ist also kein Allheilmittel.»
Auch LKA-Vizechef Stefan Redlich sagte: «Das ist nicht geeignet, um jemanden in den Arm zu fallen, wenn er etwas tut. Die Observation ist nur ein Baustein von sehr vielen.» Das für Überwachungen zuständige Mobile Einsatzkommando (MEK) habe Abdul B. nach seiner Entlassung anfangs besonders eng observiert.
Der junge Mann habe aber selten die Wohnung verlassen, daher habe man ihn später nur tageweise mit Fahndern überwacht. Die Polizei habe ihm die Ausreise untersagt und seinen Pass eingezogen. Mehrfach sei mit ihm gesprochen worden. Redlich betonte: «Den Eindruck, wir haben ihn uns durch die Finger gleiten lassen, den habe ich nicht.»
Aggressiver Schüler ohne Abschluss
Nach einem Bericht der «Berliner Morgenpost» fiel Abdul B. schon als junger Schüler mit aggressivem Verhalten auf. Den Recherchen zufolge wurden bereits ab der ersten Klasse Vermerke wegen seines Verhaltens gefertigt. Die Eltern hätten nicht mit den Lehrern kooperiert. Die Grundschule wechselte er demnach zweimal, danach besuchte er eine weiterführende Schule in einem Förderzentrum.
Abdul B. hatte dem Bericht zufolge Schwierigkeiten auch im emotionalen und sozialen Bereich und Anspruch auf sonderpädagogische Förderung. Er habe sich in der Folge zu einem Schulverweigerer entwickelt. Die Senatsverwaltung für Bildung bestätigte auf Anfrage den «Morgenpost»-Bericht hinsichtlich der Fakten zur Schulzeit. «Demnach wurde die betreffende Person im Berliner Schulsystem beschult, es wurden bereits früh Unterstützungs- und Förderbedarfe festgestellt, und sie verließ die Schule ohne Schulabschluss.»
Neuer Polizeieinsatz
Unterdessen lief am Anschlagsort im Berliner Tiergarten wie schon am Dienstag ein Polizeieinsatz, bei dem zahlreiche Polizisten offenbar etwas suchten. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte der dpa, dass die Maßnahme im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen der Behörde stehe. Nach Informationen des RBB wird nach der Tatwaffe gesucht, mit der Abdul B. nach der Anschlagsfahrt Menschen angegriffen haben soll.
Die Sprecherin der Karlsruher Behörde bestätigte zudem, dass Ermittler nach dem Anschlag DNA-Spuren vom Täter in dem Tatwagen feststellten. Es sei die DNA von Abdul B., sagte sie. Es seien keine weiteren DNA-Spuren in dem Fahrzeug entdeckt worden. Somit sei klar, dass B. den Wagen höchstwahrscheinlich gesteuert habe. Zunächst hatte der RBB berichtet.