Was der Markt in China wegen Überproduktion und schwacher Nachfrage nicht aufnehmen kann, geht in den Export. «Werden weniger unsinnige öffentliche Investitionen getätigt, wird das Bruttoinlandsprodukt fallen oder es bräuchte andere Wachstumstreiber», sagt Fuest. «China setzt auf Wachstum durch die Förderung von Exporten.»
Deutsche Firmen in China passen sich deshalb an. Zwar bleibt China laut AHK-Chef Oehms ein «Schlüsselmarkt für die deutsche Wirtschaft». Allerdings berichtet die Kammer auch, dass sich deutsche Firmen auf neue Geschäftsmodelle konzentrieren und mit chinesischen Unternehmen in Drittmärkte gehen.
Was Ökonomen China raten
Abgesehen davon altert Chinas Gesellschaft rasant. Die Bevölkerung könnte sich laut Schätzungen bis Ende dieses Jahrhunderts halbieren. Seit einigen Jahren belastet eine nicht überwundene Immobilienkrise die Wirtschaft. Das verdirbt jenen die Kauflaune, die ihr Erspartes in eine Wohnung investiert hatten, und belastet die Baubranche, die lange als Konjunkturmotor Chinas viele Arbeitsplätze schuf.
Viele Ökonomen und der IWF raten Peking seit langem, die Binnennachfrage zu stärken. «Um von diesem Ungleichgewicht herunterzukommen, müsste China den privaten Konsum entwickeln, den privaten Dienstleistungssektor, überhaupt mehr Dynamik und mehr marktwirtschaftliche Steuerung zulassen», sagt Ifo-Präsident Fuest. «Aber Staatschef Xi Jinping tut genau das Gegenteil und versucht, mit Subventionen Exporte auszudehnen.»
Droht China Stagnation?
Ökonomen diskutieren, wie ernst die Lage in China eigentlich ist. «Das Wachstum hat sich strukturell verlangsamt, liegt im internationalen Vergleich jedoch weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau, auch wenn es aus chinesischer Perspektive deutlich niedriger ausfällt als früher», sagt Liu Wan-Hsin, auf China spezialisierte Ökonomin am Kiel Institut für Weltwirtschaft. «Von einer eigentlichen Stagnation würde ich daher derzeit noch nicht sprechen.»
Wie hoch das Stagnationsrisiko ist, wird sich nach Lius Einschätzung an drei Punkten entscheiden: «Erstens, ob China seine industrielle Produktion trotz zunehmender Handelskonflikte und geopolitischer Spannungen weiterhin erfolgreich auf den Weltmärkten absetzen kann», sagt sie. Als zweiten Punkt nennt sie die Frage, ob die hohen Investitionen ausreichende Produktivitätsgewinne erzeugen und zu zusätzlichen Innovationen und Investitionen anregen. Als dritten entscheidenden Punkt sieht auch Liu die Belebung der Binnennachfrage.
«Das Risiko einer Stagnation in China wäre meiner Einschätzung nach deutlich höher, wenn die hohen Investitionen dauerhaft keine ausreichenden Produktivitäts- und Wachstumseffekte erzeugen, wenn der Vertrauensverlust privater Unternehmen und Haushalte nicht wirksam überwunden wird und wenn China im Exportgeschäft mit deutlich stärkerem Gegenwind auf den Weltmärkten konfrontiert wird.»
Internationaler Gegenwind für China wird bereits spürbar. «Es ist absehbar, dass andere Länder sich wehren werden», meint Ifo-Präsident Fuest. «In Europa denkt man über Zölle nach, und das wird man auch andernorts tun, in den USA sowieso. Insofern ist die Gefahr real, dass das Wachstum weiter sinkt.»