Zwei der wichtigsten Koalitionsposten werden neu besetzt
Bei der Personalrochade geht es um zwei der wichtigsten Posten im Koalitionsgefüge. Der Fraktionschef führt die 208 Abgeordneten, ohne die die Bundesregierung kaum eine wichtige Entscheidung durchsetzen kann. Neben dem Kanzler ist er daher der wichtigste Koalitionsakteur auf Unionsseite.
Der Kanzleramtschef ist der Koordinator der Regierungsarbeit auch im Zusammenspiel mit den Ländern. Frei hatte auf diesem Posten nur schwer Fuß gefasst. Ihm wurde von einigen in der Union vorgeworfen, lieber Interviews zu geben, als die Koalitionsarbeit zu steuern. Beim Reformpaket übernahmen dann die Fraktionsspitzen selbst diese Aufgabe.
Nun kehrt Frei in die Gefilde zurück, die besser zu ihm passen, wie viele in der Union meinen. Er war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer unter dem damaligen Fraktionschef und Oppositionsführer Merz und kennt die Arbeit an der Spitze der Unionsabgeordneten bestens.
Aus der Fraktionsführung kommt Zustimmung für die Personalie. Interims-Fraktionschef Alexander Hoffmann (CSU) sagte, Frei kenne die Fraktion, das parlamentarische Arbeiten und die aktuellen politischen Themen. «Und er hat einen hervorragenden Draht auch zum Koalitionspartner in die SPD rein.» Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger (CDU) ergänzte, nach seinem Eindruck sei der Vorschlag der beiden Parteivorsitzenden «sehr wohlwollend» aufgenommen worden. Frei kenne die Fraktion in- und auswendig. «Er weiß, worauf es ankommt - die Fraktion stark zu vertreten, aber auch den Zusammenhalt in der Koalition in den Mittelpunkt zu stellen.»
Loyaler Merz-Vertrauter – aber hohe Erwartungen in der Fraktion
Frei war schon nach der Bundestagswahl 2025 für den Fraktionsvorsitz im Gespräch. Merz holte seinen engen Vertrauten dann aber doch ins Kanzleramt.
Mit dem 52-Jährigen aus dem Schwarzwald bekommt Merz einen loyalen Vertrauten an der Fraktionsspitze – im Gegensatz zu dem unbequemeren Spahn. Unter Spahn hat die Fraktion Selbstbewusstsein getankt, ist zu einem Machtzentrum neben dem Kanzleramt geworden. Von Frei werden die Abgeordneten erwarten, dass er diesen selbstbewussten Kurs fortführt.
Was wird aus Spahn?
Spahn war am Wochenende nach wachsendem parteiinternem Druck von seinem Amt zurückgetreten. Er und sein Mann Daniel Funke hatten bekanntgegeben, mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden zu sein. Das wurde kritisiert, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und sich Spahns Partei klar gegen eine Legalisierung ausspricht. Er selbst hatte das in der Vergangenheit auch getan.
Seit seinem Rücktritt ist Spahn abgetaucht. In der Schalte des Fraktionsvorstands würdigte Merz die Leistung des Ex-Fraktionschefs. Er habe den Aufbau der Regierungsfraktion in kritischer Zeit «zielstrebig, zuverlässig und erfolgreich» vorangetrieben. «Gerade in den letzten Wochen hat er eine bedeutende Rolle in der Erarbeitung der Reformvorhaben der Regierung gespielt. Dafür danke ich ihm sehr.»
Ob Spahn zur Fraktionssitzung am Mittwoch kommt, ist ebenso offen wie die Frage, ob er sein Bundestagsmandat aufgibt. «Ich weiß es nicht, was er selbst vorhat», sagte der Kanzler bereits am Dienstag. Er werde ihm keine Ratschläge geben.
Geht es auch um die Nachfolge von Bundespräsident Steinmeier?
Gut möglich, dass Merz und Söder auch schon über den Posten des Bundespräsidenten gesprochen haben. Im Januar wird der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier gewählt. Union und SPD werden aller Wahrscheinlichkeit die Mehrheit in der Bundesversammlung haben und dann wäre die Union am Zug, nachdem Steinmeier aus der SPD gekommen war.
Der Vorschlag soll zwar erst nach den Landtagswahlen im September verkündet werden. Es ist aber schwer vorstellbar, dass Merz und Söder diese Personalie nicht auch schon jetzt mitdenken. Dies hatte der bayerische Ministerpräsident jüngst selbst angedeutet: «Dieses gemeinsame Vorschlagsrecht ist Teil auch unserer Geschäftsordnung.» Und ähnlich wie beim Fraktionsvorsitzenden gelte dies auch «für andere hochgestellte Ämter, die im Herbst erfolgen». Söder hatte Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) für das höchste Staatsamt ins Spiel gebracht.