Haben sich Soldaten beim Sanitätsregiment in Weißenfels schwerwiegende Fehltritte geleistet? Die Bundeswehr ermittelt gegen Soldaten. Wie der Bundesverteidigungsminister reagiert.
Verteidigungsminister Boris Pistorius sichert zu, mögliche Verfehlungen von Soldaten beim Sanitätsregiment 1 in Weißenfels in Sachsen-Anhalt, aufzuklären. "Bislang handelt es sich um Vorwürfe. Wenn die sich bestätigen, wäre das widerwärtig", sagte der SPD-Politiker am Rande eines Besuchs auf Kreta. "Wir werden alles tun, um jeden Täter dingfest zu machen und seiner gerechten Strafe zuzuführen und gleichzeitig die Betroffenen besser zu schützen."
Das Bundesverteidigungsministerium hat Ermittlungen wegen möglicher Verstöße bestätigt. Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), das sich auf den Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Generaloberstabsarzt Ralf Hoffmann, beruft, geht es um mutmaßlichen Drogenhandel, Bedrohungen und sexuelles Fehlverhalten von Vorgesetzten. Ein Vorgesetzter soll RND-Angaben zufolge unter Ausnutzung der Hierarchie intime Kontakte zu einer Rekrutin unterhalten haben. Es habe Durchsuchungen in der Sachsen-Anhalt-Kaserne und Vernehmungen gegeben.
Fehlverhalten von Soldaten? Vorläufige Verbote der Dienstausübung ausgesprochen
"Sexualisiertes Fehlverhalten und Übergriffe haben in der Bundeswehr keinen Platz – und erst recht nicht im Sanitätsdienst", sagte Hoffmann dem Medium. "Gerade dort, wo der Frauenanteil innerhalb der Streitkräfte besonders hoch ist, tragen wir eine besondere Verantwortung für einen respektvollen und kameradschaftlichen Umgang." Ein Vorgesetzter soll dem RND zufolge unter Ausnutzung der Hierarchie intime Kontakte zu einer Rekrutin unterhalten haben. Es habe Durchsuchungen in der Sachsen-Anhalt-Kaserne und Vernehmungen gegeben.
Der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr informierte am Mittwoch (14. Oktober 2026) das Parlament über die Verdachtsfälle. Nach aktuellem Stand betreffen die Anschuldigungen zehn Menschen, fünf Fälle wurden an die Staatsanwaltschaft abgegeben, wie ein Sprecher des Unterstützungskommandos der Bundeswehr mitteilte. Außerdem seien vorläufig Kasernenbetretungsverbote und Verbote der Dienstausübung ausgesprochen worden.
Im Fokus der Ermittlungen steht demnach eine Ausbildungseinheit des Sanitätsdienstes, in der auch Führungspersonal ein Umfeld geschaffen haben soll, das Dienstvergehen, Grenzüberschreitungen und sexualisiertes Fehlverhalten begünstigt hat. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen und den Opferschutz nannte die Bundeswehr keine weiteren Einzelheiten.
Bundeswehr verfolgt "Null-Toleranz-Linie"
Sexualisiertes Fehlverhalten und Übergriffe hätten in der Bundeswehr keinen Platz, erklärte der Sprecher des Unterstützungskommandos weiter. Die Null-Toleranz-Politik, die der Minister und der Generalinspekteur vorgegeben hätten, gelte uneingeschränkt.
Verstöße kämen in der Bundeswehr leider immer wieder vor, sagte Pistorius. Man müsse im Einzelfall mit der vollen Bandbreite der Möglichkeiten sanktionieren - sowohl diejenigen, die die Taten begingen, als auch diejenigen, die sie unterdrückten, nicht meldeten oder nicht verfolgten.
Ende vergangenen Jahres waren zahlreichen Vorfälle um sexualisiertes Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei Fallschirmjägern im rheinland-pfälzischen Zweibrücken bekannt geworden. Es wurden Ermittlungen gegen 59 Beschuldigte eingeleitet und bis zum Frühjahr 21 Entlassungen beantragt. Vor wenigen Tagen sorgte zudem der Tod eines Rekruten für Schlagzeilen, der wenige Tage nach Dienstantritt bei den Mittenwalder Gebirgsjägern zusammengebrochen und gestorben war.
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