Kritik kam auch vom Hausärzteverband sowie von den Landkreisen und Städten, die unter den Kosten für Krankenhäuser und Rettungsdienste ächzen.
Schulden und Steuergeschenke machen Bund handlungsunfähig
Tschentscher kritisierte, dass versicherungsfremde Leistungen nicht steuerfinanziert, sondern allein den Beitragszahlern aufgebürdet würden. «Das sind hohe Milliardenbeträge, die ausschließlich den Versicherten zur Last fallen», sagte er.
Grund sei eine verfehlte Steuer- und Finanzpolitik der schwarz-roten Bundesregierung, die auf der einen Seite eine hohe Verschuldung vorsehe, ohne dass es einen Plan für die Finanzierung der Kredite oder deren Tilgung gebe. Auf der anderen Seite mache man sich «mit Steuergeschenken aus der Gießkanne» handlungsunfähig. «Und jetzt fehlt der Bundesregierung die finanzielle Kraft, um dringend notwendige Dinge zu finanzieren, wie man bei der GKV-Reform sieht», sagte Tschentscher.
Hausärzte kündigen Kürzungsprogramme in den Praxen an
Die Hausärzte prognostizieren deutliche Einschnitte in der Versorgung durch das Sparpaket. «Wir werden jetzt massive Kürzungsprogramme in den Praxen fahren», sagte der Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Blumenthal-Beier, im Deutschlandfunk.
Er beklagte, durch die demografische Entwicklung und weitere geplante Reformen würden die Hausärzte mehr Menschen versorgen müssen. Andererseits stiegen die Kosten für Personal und Mieten sprunghaft. Das sei für die Praxen nicht mehr zu schaffen. Es gebe bereits Praxen, die schon aufgrund des Gesetzentwurfes jegliche Einstellungen und Praxiserweiterungen auf Eis gelegt hätten. Auch gebe es genug Hausärzte, die mit 63 Jahren sagten: «Wenn das kommt, da habe ich die Schnauze voll.»
Wiese und Bilger: Keine Sommerlochdebatten und Kraft tanken
Spitzenpolitiker der Koalitionsfraktionen appellierten an die Abgeordneten von Union und SPD, keine unnötigen Debatten in der parlamentarischen Sommerpause vom Zaun zu brechen und Kraft für die Umsetzung der Reformen im Herbst zu tanken. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger (CDU), sagte der «Rheinischen Post»: «Gerade in dieser Phase sollte dann auch mal gelten: Lieber durchschnaufen statt draufhauen.»
Bilger verwies darauf, dass nach einem arbeitsintensiven ersten Halbjahr weitere Schritte anstehen, etwa in der Pflege und bei Steuerentlastungen. «Direkt im September geht es zudem um den Haushalt für das kommende Jahr, bei dem wir klare Prioritäten setzen und konsequente Sparanstrengungen unternehmen müssen», sagte der CDU-Politiker. Sein Rat: «Die sitzungsfreie Zeit sollte deshalb dazu dienen, den Kopf freizubekommen, Kraft zu tanken und mit frischer Energie an die anstehenden Aufgaben heranzugehen.»