2031 soll die Garantie des Rentenniveaus durch die jüngste Rentenreform vom Dezember auslaufen. Der «Nachhaltigkeitsfaktor» soll wieder eingeführt und sogar verschärft werden. Die jährliche Rentensteigerung würden gedämpft. Doch langfristig soll das Niveau durch die Kapitalerträge über den heutigen Wert von 48 Prozent steigen. Perspektivisch sollen Menschen im Alter mit gesetzlicher, betrieblicher und privater Rente zusammen 70 Prozent des letzten Nettolohns haben – so rechnete es Weise vor.
Schwesig widerspricht Merz
Der Kanzler macht das Projekt Kapitalsäule zu seiner Sache. Das weiche von seinen bisherigen Vorstellungen ab. «Und ich muss sagen, das ist eine geniale Idee.» Zugleich kämen «auf diese Weise mindestens 30 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich in die Wirtschaft». Merz erwartet nach eigenen Worten «eine neue Wachstums- und Beschäftigungsdynamik».
Weiter sagte er: «Wir haben die Vorarbeiten ja leisten lassen, um die auch umzusetzen.» Die einzelnen Maßnahmen würden ineinandergreifen und sich ausbalancieren. «Sie bilden ein Gesamtkonzept, das nur in seiner Gesamtheit funktioniert.» Kritik sei in Ordnung. Er appelliere an alle Verantwortlichen, diese Diskussion konstruktiv zu begleiten. Denn: «Es muss schnell gehen.»
Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) entgegnete im «Stern»: «Ich widerspreche Herrn Merz! Diese Vorschläge können nicht einfach 1:1 umgesetzt werden. Darüber muss diskutiert werden.»
Doch auch die SPD-Vorsitzende Bas sagt: «Es gibt jetzt kein Rosinenpicken, es ist ein Gesamtkunstwerk.» Für die Umsetzung müssten sicherlich noch die Koalitionsfraktionen mitgenommen werden. Sie sei sehr zuversichtlich, dass dies gelingen könne: «Wenn man das nicht will, dann muss man etwas anderes vorschlagen.»
Beim Koalitionsausschuss am 1. Juli erwarte sie das «politische Commitment, dass wir das alles gemeinsam wollen». Bas gibt als Ziel aus, «dass wir spätestens, sag' ich mal, nach der Sommerpause zum Ende des Jahres in die ersten Gesetzgebungen gehen können».
Für die SPD dabei besonders zentral: Der Plan, mehr Menschen in die gesetzliche Rente einzubeziehen – eine «Erwerbstätigenversicherung», die der Bericht allerdings nur als Leitbild skizziert. Selbstständige sowie Politikerinnen und Politiker sollen direkt in die gesetzliche Rente einbezogen werden, allerdings nicht Beamte.
Kritik der Gewerkschaften
Die Gewerkschaften lassen nicht locker. Sie lehnen weiter die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente ab – für DGB-Chefin Yasmin Fahimi «eine Frage der Gerechtigkeit», wie sie im Podcast «Ronzheimer» sagte. Die Arbeitgeber wiederum wehren sich gegen eine verpflichtende Kapitalrente, die sie mit bezahlen müssten. Sozialverbände sorgen sich um Folgen für gesundheitlich gefährdete Ältere und Menschen mit niedrigen Renten. Kritik kommt auch von Linken und Grünen.
Doch es gibt auch viel Zuspruch. Die Senioren-Union Deutschlands begrüßt die Vorschläge ausdrücklich. Der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel, spricht in der «Zeit» von einem möglichen Befreiungsschlag für die Koalition. DIHK Präsident Peter Adrian fordert: «Im Interesse aller Beteiligten dürfen notwendige Reformen nicht weiter verschleppt werden.» Die Regierung müsse das Konzept umsetzen.