Nach Problemen bei der Modernisierung wichtiger Strecken hat Bahnchefin Evelyn Palla angekündigt, das Sanierungskonzept zu überprüfen. Nun wird der Konzern konkreter.
Mit der Sanierung Dutzender Bahnstrecken bis 2036 will die Deutsche Bahn die gravierenden Mängel bei Infrastruktur und Pünktlichkeit im Fernverkehr in den Griff bekommen. Doch zuletzt häuften sich die Probleme: Sanierungen verzögerten sich, wurden teurer und die Züge trotz modernerer Strecke nicht pünktlicher. Bahnchefin Evelyn Palla kündigte Anfang Juli an, das Konzept der sogenannten Generalsanierungen zu überprüfen. Nun stehen nach dpa-Informationen erste Eckpunkte fest. Zuvor hatte das «Manager Magazin» berichtet.
Umfang und Anzahl der Projekte wird überprüft
Dabei bleiben aber manche Fragen offen. Grundsätzlich will der Konzern den Informationen und dem Bericht des Magazins zufolge an den Sanierungen festhalten - allerdings mit einigen Änderungen. Zunächst sollen Anzahl und Umfang der Projekte überprüft und neu priorisiert werden. Die finanziellen und personellen Ressourcen sollen auf die Maßnahmen fokussiert werden, die die größte Wirkung für die Qualität und Zuverlässigkeit im Bahnverkehr bedeuteten. Ob das heißt, dass andere Projekte gestrichen werden, bleibt unklar.
Die Sanierungen sollen darüber hinaus zeitlich besser aufeinander und auf andere Bauvorhaben abgestimmt werden. So soll verhindert werden, dass sich bei Verzögerungen die Sperrungen von wichtigen Korridoren überschneiden und die Belastung im Gesamtnetz steigt.
Strecken für Digitalisierung vorbereiten
Ein dritter Punkt betrifft die Digitalisierung. Immer wieder wurde kritisiert, dass die Bahn die Sanierung der Korridore nicht dazu nutzt, die betroffenen Strecken umfassend mit der digitalen Zugleittechnik ETCS auszustatten. Dem «Manager Magazin» zufolge plant die Bahn nun, alle Strecken für eine spätere Digitalisierung zumindest vorzubereiten.
Außerdem will der Konzern laut dpa-Informationen mehr Flexibilität bei der Wiederinbetriebnahme der Strecken nach dem Ende der Sanierungen. Künftig soll jede sanierte Strecke nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise wieder in Betrieb genommen werden.
Besonders bei der sensiblen Leit- und Sicherungstechnik sollen Tests, Abnahmen und Inbetriebnahme realistischer geplant und schrittweise vorbereitet werden. Was das für die Dauer einzelner Baustellen und den gesamten Zeitplan der Sanierungen bedeutet, bleibt ebenfalls offen.
Was ist mit der Baufreiheit?
Der letzte Punkt betrifft die Baufreiheit. Die Bahn hatte bei der Vorstellung des Konzepts der Generalsanierungen versprochen, dass auf den Strecken im Anschluss an die Arbeiten für zehn Jahre nicht mehr gebaut werden müsse. Später reduzierte sie diesen Zeitraum auf fünf Jahre. Künftig will die Bahn dem «Manager Magazin» zufolge klarer benennen, wie lange jede Strecke nach der Sanierung von weiteren Bauarbeiten verschont bleibt. Ob damit eine Aufweichung des Fünf-Jahres-Versprechens einhergeht, blieb unklar.