Gibt es die Minijobs auch 2027? Diese Frage entscheiden Bundestag und Bundesrat in diesem Herbst für die fast sieben Millionen Betroffenen. Fest steht jetzt schon: Das Beschäftigungsmodell wird teurer und damit für die Arbeitgeber unattraktiver.
Der Herbst 2026 wird für die Bundesregierung eine Zeit der Entscheidungen. Die Rentenreform geht ins Kabinett und anschließend zur Beratung und Abstimmung in den Bundestag und den Bundesrat. Entschieden wird nicht nur über die beliebte "Rente mit 63" und die Erwerbsminderungsrente (EM‑Rente), sondern auch über die Zukunft der Minijobs.
Diese sind eine wichtige Einkommensquelle für die Menschen in Deutschland, mit mehr Freiheiten und weniger Abgaben. Wie der Stand bei den Minijobs aktuell ist, zeigt unsere Analyse.
Warum sind Handel und Gastronomie optimistisch, die Minijobs zu erhalten?
Die Spitzenorganisation des deutschen Einzelhandels – der Handelsverband Deutschland (HDE) – ist ausgesprochen optimistisch, dass es die Minijobs auch 2027 noch gibt. Steven Haarke, HDE-Geschäftsführer für Arbeit, Bildung, Sozial- und Tarifpolitik, begründet diese Prognose auf Anfrage von inFranken.de mit einer Ansage des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder.
Es habe schließlich im Interview mit der Augsburger Allgemeinen eine "klare Aussage" gemacht, dass die Minijobs nicht zur Disposition stehen. "Wir bauen hier auf die Einsicht und die Vernunft der Politik. 800.000 Minijobber im Einzelhandel und viele Unternehmen in der Branche sind auf einen vernünftigen und zukunftssicheren Umgang mit dieser Beschäftigungsform angewiesen."
Geschäftsführer Haarke erwartet von der Politik, dass sie "nicht mit den Lebensmodellen vieler Menschen spielt", betonte er unserem Online-Magazin gegenüber. Den Plan der Regierung, bei den Minijobs zusätzliche Abgaben zu kassieren, lehnt der HDE ab. "Wir appellieren an die Politik, die Minijobs in ihrer heutigen Form zu erhalten und auch nicht unverhältnismäßig für Arbeitgeber zu verteuern." Wenn Minijobs deutlich teurer würden, drohe die "Abschaffung dieser Beschäftigungsform durch die Hintertür."
Warum sind die Handwerker so nachdenklich?
Die Einschätzung, dass die Minijobs für viele Branchen von unverzichtbarer operativer Bedeutung sind, teilt auch der Deutsche Hotellerie- und Gaststättenverband (DEHOGA). In der Krise gilt es stattdessen, die Arbeitskosten zu reduzieren und mehr Flexibilität zu ermöglichen. "Wenn die Bundesregierung die Bedeutung der unverzichtbaren Minijobs anerkennt, braucht es eine Beitragslast, die für Arbeitgeber tragbar bleibt", betont Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA‑Bundesverbandes. Die Gaststätten und Hotelbetriebe beschäftigen hierzulande exakt 951.078 Minijobbende.
Der Dachdeckermeister und Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, stimmt allerdings nachdenkliche Töne im Interview mit dem Handelsblatt an: "Im Handwerk gibt es viele Minijobs, und wir brauchen sie auch. Aber der ordnungspolitische Grundgedanke ist nachvollziehbar: Wir wollen auch nicht, dass Menschen mehrere Minijobs kombinieren und dadurch zu wenig in die Sozialsysteme einzahlen, während andere mit einer Vollzeitstelle die gesamte Last tragen."