Grüne: Haben Mehrheitsbildung nicht kommen sehen
«Eine solche Mehrheit schmerzt uns als demokratische Fraktion zutiefst», hieß es in der Erklärung der Grünen-Politikerin Schubert. «Wir haben seit Beginn der Legislaturperiode immer wieder alles Denkbare dafür getan, dass es in diesem Landtag keine Mehrheiten durch die AfD gibt.»
Bei Hunderten Anträgen sei das gelungen, diesmal hätten die demokratischen Fraktionen eine Mehrheit nicht durch ausreichend Präsenz verhindern können. «Das ist auch unsere Verantwortung, da wir diese Mehrheitsbildung so nicht haben kommen sehen», erklärte Schubert. Die Grünen wollten nun «alles dafür tun, die Absprachen im Landtag dahingehend zu optimieren, dass es keine Mehrheiten durch die AfD gibt».
Die SPD wertete das Abstimmungsverhalten von AfD und BSW als falsches Spiel. «Das unwürdige Schauspiel von AfD und BSW schadet unserem Parlament», sagte Laura Stellbrink, parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion. Die Aktion zerstöre Vertrauen, die Grundlage der Zusammenarbeit im Landtag.
AfD feiert Abstimmung als Coup
Die AfD-Fraktion feierte hingegen das Abstimmungsergebnis als Coup. «Die Brandmauer ist damit gefallen», schrieb sie in einer Erklärung. «Ein herzliches Dankeschön an die Grünen.» Zugleich betonte die Fraktion, dass es zuvor «in Hinterzimmern keine Absprachen zwischen Grünen und AfD» gegeben habe.
Auch das BSW sah die Abstimmung als Erfolg. Man habe einen entscheidenden Schritt zur Rettung der regionalen Fleischverarbeitung getan, hieß es in einer Mitteilung. Die Zustimmung sei eine Frage der inhaltlichen Konsequenz gegenüber den Bürgern gewesen.
«Wir entscheiden nach der Sache und lassen uns nicht von taktischen Spielchen anderer Fraktionen vorschreiben, wie wir im Sinne des Landes zu stimmen haben», sagte der BSW-Abgeordnete Ulf Lange laut Mitteilung. Die bestürzte Reaktion der Grünen auf die Zustimmung zu ihrem eigenen Antrag bezeichnete das BSW als absurd.
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht wiederholte nach der Abstimmung ihre Forderung nach einem Ende der Brandmauer. «Es sollte doch ein völlig normaler parlamentarischer Vorgang sein, dass sich der Mehrheitswille des Landtages in einer Sachfrage durchsetzt», sagte sie. «Wir stimmen immer in der Sache ab - egal mit wem.» Wagenknecht forderte, in den Landtagen grundsätzlich mit wechselnden Mehrheiten zu regieren.