Laut Statista gab es 2020 sage und schreibe 82 Millionen Lebensversicherungs-Policen in Deutschland. Ein großer Markt - der für die Anbieter aber scheinbar unrentabel wird. Der Handel mit älteren Policen boomt derzeit nämlich - mit teils unangenehmen Folgen für die Kunden. 

Viele Versicherer haben nämlich ein großes Problem mit der hohen Verzinsung der alten Verträge. Das berichtete unter anderem das Portal chip.de Ende vergangener Woche. Seit 2008 senkt die EZB nämlich die Leitzinsen und die betroffenen Lebensversicherungen werden zunehmend zum Klotz am Bein für die Anbieter.

Hohe Zinsen - Verkauf alter Policen boomt

Die Lösung für die Versicherer: Altlasten zu Ramschpreisen an andere weiterverkaufen. Chip.de nennt unter anderem eine deutsche Axa-Tochter, die 900.000 Policen der DBV-Winterthur an die Abwicklungsgesellschaft Athora verkauft hat. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Laut Branchenvertretern denken rund 80 Lebensversicherer hierzulande über den Verkauf von alten Verträgen nach - das sind fast alle Häuser in Deutschland.

Für die Kunden kann so ein Verkauf sehr unangenehm werden. Denn viele landen über Nacht bei einem völlig unbekannten Versicherer. Außerdem kommt es laut chip.de bei der Übertragung der alten Daten in neue IT-Systeme oft zu Problemen. Verbraucherschützer warnen aber noch vor einer anderen Gefahr: Die Liquidität der neuen Versicherer lässt sich nur ganz schwer nachvollziehen.

Positiv für die Versicherten ist immerhin: Sie dürfen auch beim neuen Anbieter nicht schlechter gestellt werden als bei ihrem bisherigen Versicherer. Und auch, dass man sein Geld nach Fälligkeitsende nicht mehr wiedersieht, ist nach dem heutigen Stand sehr unwahrscheinlich. 

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