Frei, Warken und Schnieder werden zunächst vom Bundespräsidenten ihre Entlassungsurkunde erhalten. Anschließend überreicht Steinmeier die Ernennungsurkunden an Warken, Linnemann und Bilger. Die neuen Minister müssen dann noch ihren Eid vor dem Bundestag leisten. Weil die 630 Abgeordneten gerade in der Sommerpause sind, soll dies aber anders als üblich erst in der ersten Sitzungswoche danach geschehen, voraussichtlich am 9. September. Das Verfahren ist rechtlich umstritten, die Bundesregierung hält es aber für sattelfest.
Was Merz aus der CDU vorgeworfen wird
Besonders über den Umgang mit Schnieder gibt es Unmut in der Union. Merz hatte seinen Verkehrsminister bereits am Donnerstag darüber informiert, dass er ihn entlassen will. Wegen der kurzfristigen Absage des für die Nachfolge vorgesehenen Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler wurde das aber drei Tage lang nicht kommuniziert. Am Sonntag bat Schnieder dann selbst um Entlassung, um den «unwürdigen Zustand» zu beenden.
Der CDU-Landesverband Rheinland-Pfalz unter Führung von Schnieders Bruder Gordon, der auch Ministerpräsident ist, ging auf offenen Konfrontationskurs zu Merz. Und in der Gremiensitzung der Partei gab es am Montag massive Kritik an Merz Personalrochade insgesamt, die in dem Satz von Bremens CDU-Landeschef Heiko Strohmann gipfelte: «Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei.»
Wie der Kanzler die Dinge sieht
Der Kanzler blickt ganz anders darauf. Er ist zufrieden mit seinen Personalentscheidungen und sieht den Grund für den Unmut in einer Panne, die er selbst nicht verschuldet hat. Der ursprünglich für die Schnieder-Nachfolge vorgesehene Finanzexperte Güntzler hatte ihm am Abend vor der geplanten Verkündung der Personalie zugesagt. Über Nacht waren Güntzler dann aber Zweifel an der Eignung für den Job gekommen. Er machte kurzfristig einen Rückzieher, was zu der Hängepartie bei der Neubesetzung des Postens führte.
Merz hofft, dass der Unmut in den eigenen Reihen sich mit den heutigen Ernennungen der Minister und der Wahl in der Fraktion legt. «Ich gehe fest davon aus, dass nach der Fraktionssitzung am morgigen Tag dann auch alle Entscheidungen nicht nur getroffen sind, sondern auch akzeptiert», sagte er am Dienstag in Dublin.
Was noch an Personalien aussteht
Ganz beendet ist die Personalrochade dann aber noch nicht. Der Kanzler sucht immer noch nach einer Sport-Staatsministerin für das Kanzleramt. Auch der Posten des Parlamentarischen Geschäftsführers der Fraktion muss noch besetzt werden. Und die Partei sucht noch einen Schatzmeister oder eine Schatzmeisterin. Das dürfte noch für einigen Gesprächsstoff sorgen. Nach der heutigen Fraktionssitzung macht der Kanzler aber erst einmal Urlaub.