Auf die Frage, ob die Gasversorgung für den Winter gesichert sei, äußerte sich eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums nicht klar, sondern appellierte an die Verantwortung der Händler. Das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) argumentiert, dass Deutschland inzwischen Gas aus mehreren Quellen beziehe. "Fast die Hälfte unseres Gasbedarfs kommt aus Norwegen. Dazu bekommen wir Pipeline-Gas aus Frankreich und aus Belgien." Dazu werde über die deutschen Terminals Flüssiggas (LNG) importiert, das zu einem Großteil aus den USA stammt.
"Versorgungssicherheit für den Winter gewährleisten" - künftig Gasreserve geplant
Man sei jederzeit in der Lage zu reagieren, versicherte die Sprecherin. "Oberste Priorität ist, die Versorgungssicherheit für den Winter zu gewährleisten." Künftig soll eine strategische Gasreserve die Versorgung sichern. Die Finanzierung ist aber noch unklar.
Die deutschen ebenso wie die europäischen Füllstände liegen aktuell deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Laut jüngsten Daten des europäischen Verbands der Gasinfrastrukturbetreiber (GIE) lag der Füllstand am 17. August bei 61,37 Prozent. Vor einem Jahr waren es knapp 74 Prozent.
Die deutschen Gasreserven sind deutlich geringer: Hier meldete die GIE für den 17. August einen Füllstand der Speicher von 50,06 Prozent, nachdem sie vor einem Jahr zu knapp 67 Prozent gefüllt waren.
Gesetzliche Einspeichervorgabe zum 1. November kaum noch zu erreichen
Der Branchenverband Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas (FNB-Gas) schrieb dazu in einer aktuellen Pressemitteilung, dass die gesetzliche Einspeichervorgabe zum 1. November 2026 kaum noch zu erreichen sei, "selbst bei einer Einspeicherung von bis zu 1,2 TWh pro Tag - dem höchsten Wert, der im Markt je beobachtet wurde". Aktuell liegen die Einspeicherungen deutlich niedriger.
Gerade die bayerischen Speicher wiesen derzeit besonders niedrige Füllstände auf, sagt Aiwanger. "Entscheidend ist nicht die deutsche Gesamtsicht. Entscheidend ist, ob das Gas im Winter dort aus dem Speicher kommt, wo es gebraucht wird."
Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher hat die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Ramona Pop, vor steigenden Preisen für Gaskunden gewarnt. "Wir beobachten die Gasspeicherstände sehr genau und sehen die möglichen Herausforderungen für den kommenden Winter. Die Einkaufspreise für Gas steigen seit Beginn des Krieges im Nahen Osten deutlich", sagte Pop der Rheinischen Post.
"Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten"
"Niedrige Speicherstände würden die bereits angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen. Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten", erklärte Pop.
Gaskunden riet sie zur Vorsicht: "Verbraucherinnen und Verbraucher sollten jetzt prüfen, ob ihr Vertrag über den Winter hinaus eine Preisbindung vorsieht", sagte Pop. Das schütze zunächst vor steigenden Preisen. Zugleich lohne es, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.
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