• Ex-Papst und andere Kirchenverantwortliche angeklagt
  • Missbrauchsopfer will "Feststellung der Schuld"
  • Kann Ex-Papst Benedikt XVI. belangt werden?

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche geht in die nächste Runde: Ein Missbrauchsopfer hatte am Wochenende Klage gegen gleich mehrere Kirchenverantwortliche eingereicht. Darunter ist auch der emeritierte Papst Benedikt XVI., der damals noch Kardinal in der Erzdiözese München und Freising war. Die Vorfälle sollen sich in den 1990er Jahren ereignet haben.

Missbrauchsopfer verklagt Ex-Papst und Priester: Schuld soll festgestellt werden

Die Klage, über die Correctiv, die Wochenzeitung DIE ZEIT sowie der Bayerische Rundfunk (BR) berichten, wurde am Landgericht Traunstein eingereicht. Im Mittelpunkt der Angeklagten steht der Priester H. Ebenfalls mit zur Rechenschaft gezogen werden sollen Kardinal Friedrich Wetter, der Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, Christoph Klingan und eben Joseph Ratzinger.

In den 1990er Jahren soll der damalige Priester Peter H. in der Erzdiözese München und Freising mehrere Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Darunter soll sich auch der Kläger befunden haben. Sein Vorwurf: Den Verantwortlichen war bewusst, dass Peter H. bereits an seinem vorherigen Standort in Essen bei mehreren sexuellen Übergriffen ertappt worden war. Trotzdem hatten sie seinen Umgang mit Kindern und Jugendlichen nicht unterbunden.

Ein Psychiater hatte Peter H. damals eine "narzisstische Grundstörung mit Päderastie und Exhibitionismus" diagnostiziert. Obwohl er 1986 von einem Gericht wegen Missbrauchs an mehreren Kindern sogar zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, setzte ihn die katholische Kirche weiter ein.

Taten sind verjährt - Klage soll Druck auf Kirche erhöhen

Jetzt, rund 36 Jahre später, sind diese Taten weitestgehend verjährt, Peter H. kann also nicht erneut verurteilt werden. Laut BR sei das auch nicht das Ziel der Klage. Die ist eine sogenannte Feststellungsklage, das heißt, ein Gericht soll lediglich die Schuld der Kirche feststellen. Das sei ein "juristischer Kniff" des Anwalts, der die 69-seitige Anklageschrift eingereicht hatte.Das würde dann dazu führen, dass die katholische Kirche weiter in Bedrängnis gerät - und mit ihr Ex-Papst Benedikt XVI. Ratzinger habe als Kardinal „Kenntnis von allen Umständen und hat es zumindest billigend in Kauf genommen, dass dieser Priester ein Wiederholungstäter ist.“

Kläger ist ein 38-Jähriger, den der BR nicht beim richtigen Namen nennt. Im Interview mit dem BR fordert der eine Änderung im Strafrecht. Bei solchen Taten dürfe es keine Verjährung geben, meint er. "Das ist ja seelischer Mord", sagt das Missbrauchsopfer. "Kinder tragen das ihr ganzes Leben in sich." Er war zwischen elf und zwölf Jahre alt, als der Pfarrer ihm Pornos zeigte und ihn dann sexuell missbrauchte. Danach traute er sich seiner Mutter an, doch die glaubte ihrem Sohn nicht. Der Pfarrer arbeite ja schließlich für die Kirche, deshalb würde er "sowas" nicht machen. Das sei damals die verbreitete Meinung gewesen.

Laut BR sind die Indizien im Fall Peter H. erdrückend. "Ein internes Verfahren der Kirche hatte bereits 2016 die Schuld des Priesters festgestellt", heißt es im Pressebericht. In dem außergerichtlichen Dekret heißt es, dass mehrere Kinder von Peter H. missbraucht worden waren. Außerdem gilt es als bewiesen, dass die damals verantwortlichen Kirchenoberen ihre Pflichten verletzt hatten.

Folgen für Ex-Papst Bendikt XVI. umstritten - keine Reaktion auf Presseanfrage

Was heißt das jetzt für den emeritierten Papst? Laut BR ist das umstritten. "Experten räumen der Klage Chancen ein, wenn die Kirche darauf verzichtet, sich auf die Verjährung zu berufen, wie sie es bereits in den innerkirchlichen Verfahren getan hatte", schreibt der BR dazu. Der Druck auf die katholische Kirche würde steigen, ihre Haltung zu Entschädigungen zu überdenken. Zur Zahlung von Schadenersatz würde die Klage nicht führen.

Eine Presseanfrage des BR ließ Ratzinger übrigens unbeantwortet. Genauso wie der ehemalige Priester H.