"Damit komme ich nicht klar": Dreifachmord-Prozess in Bayern legt Leid der Angehörigen offen

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Deggendorf: Dreifachmord-Prozess legt Leid der Angehörigen offen
Ein 39 Jahre alter Mann soll in Zwiesel zwei Nachbarinnen und einen Nachbarn ermordet haben.
Deggendorf: Dreifachmord-Prozess legt Leid der Angehörigen offen
Felix Hörhager/dpa

Das Verlesen der Vorwürfe war für die Angehörigen der Opfer kaum auszuhalten.

Mit emotionalen Szenen hat vor dem Landgericht Deggendorf der Prozess um einen Dreifachmord im Bayerischen Wald begonnen. Familienangehörige der Opfer verfolgten tief erschüttert und unter Tränen das Verlesen der Anklage. Weinend sagten die Mütter von zwei der Toten aus. Der Angeklagte soll zur sexuellen Erregung zwei 22 und 26 Jahre alte Nachbarinnen sowie zur Verschleierung der Taten den 56-jährigen Partner einer der beiden getötet haben.

Den Gerichtssaal betrat der 39 Jahre alte Angeklagte, ein slowakischer Staatsbürger, mit einer Baseballkappe auf dem Kopf. Sein Gesicht verbarg er hinter einer Mappe. Eine Aussage machte er zunächst nicht.

Prozess vor dem Landgericht Deggendorf - Mann soll drei Menschen brutal ermordet haben

Der Verteidiger kündigte an, dass es eine Einlassung seines Mandanten geben soll. Dieser befinde sich seit 15 Monaten in Untersuchungshaft und sei in dieser Zeit erstmals seit langem drogenfrei. Damit sei "sein Kopf klar" geworden, und ihm sei auch klar geworden, was er Furchtbares getan habe beziehungsweise getan haben könnte, sagte der Anwalt. Die Vorwürfe beeindruckten nicht nur erfahrene Juristen, sondern eben auch den Angeklagten, so der Verteidiger weiter. Sein Mandant habe depressive Episoden entwickelt und sei in der Justizvollzugsanstalt medikamentös eingestellt worden, um möglichst schlafen zu können.

Die Anklageschrift schildert in nüchternen Worten das grausame Verbrechen in allen Details - so wie es sich nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zugetragen hat. Demnach lud der Mann im Juni 2025 seine 26 Jahre alte Nachbarin zu sich ein, nachdem sie sich mit ihrem Freund gestritten hatte. Die Frau und der Angeklagte sollen gemeinsam Drogen, Alkohol und Medikamente konsumiert haben.

Nachdem die Frau auf dem Sofa eingeschlafen war, habe sich der Mann auf sie gesetzt, um sie zur sexuellen Befriedigung zu töten, trug der Oberstaatsanwalt vor. Der Angeklagte habe sie gewürgt und mit einem Kabel erdrosselt. Als er einige Tage später Leichengeruch festgestellt habe, habe er die Tote zerteilt, den Oberkörper im Kühlschrank versteckt und die Beine in einer Sporttasche verpackt in einem Wald abgelegt.

Tatverdächtiger beging Verbrechen laut Anklage aus sexueller Lust

Als sich gut zwei Wochen später bei einer 22 Jahre alten Nachbarin während des Kochens ein Schmorbrand in der Wohnung entwickelte, habe der Angeklagte auch diese zu sich in die Wohnung gebeten. Ebenfalls aus sexueller Lust heraus soll er ihr mit einer Bierflasche und einem Hammer mehrfach auf den Schädel geschlagen, ihr zahlreiche Brüche zugefügt und ihren Kopf mit Frischhaltefolie umwickelt haben.

Die Frau habe in dem mindestens 20 Minuten dauernden Todeskampf "schwerste Qualen" erlitten und vergeblich versucht, sich mit ihren Händen zu schützen. Auf ihre Hilferufe soll der Mann mit "Jetzt halt doch mal dein Maul" reagiert haben.

Als der Mann die Leiche der Frau habe sexuell missbrauchen wollen, habe ihr zwischenzeitlich nach Hause zurückgekehrter Freund an der Tür geklopft und nach ihr gerufen. Um die Tötung der Frauen zu verdecken, soll ihn der Angeklagte mit zahlreichen Hammerschlägen ermordet haben.

Opfer wollte Drogenproblem in den Griff bekommen

Nach Justizangaben stellte sich der Angeklagte später in Österreich der Polizei. Die Staatsanwaltschaft sieht mehrere Mordmerkmale als erfüllt an: in allen drei Fällen Heimtücke, bei den Frauen auch zur Befriedigung des Sexualtriebs. Im zweiten und dritten Fall Grausamkeit und bei dem Mann zur Verdeckung einer Straftat.

Für die Angehörigen war das Verlesen der Vorwürfe kaum aushaltbar. Drei Familienangehörige berichteten, die Situation in dem Mehrfamilienhaus sei ihnen schon vor der Tat merkwürdig vorgekommen, unter anderem weil der Angeklagte hinter verdunkelten Fenstern gelebt habe. Zudem sei das Haus heruntergekommen gewesen.

Der Vater der 22-Jährigen sagte, er komme mit der Tat überhaupt nicht klar und arbeite sieben Tage die Woche, um zu verdrängen. Seine Tochter habe ihm mal erzählt, dass ihr der Nachbar "unheimlich" vorkomme. Ihr Drogenproblem habe die Tochter mittels Therapie in den Griff bekommen wollen, so der Vater. Einen Tag vor der Tat habe er sie zuletzt gesehen, als er sie von der Psychologin abholte. Sie sei gut drauf gewesen.

Extremes Leid aufseiten der Angehörigen

Die Mutter der jungen Frau sagte, sie sei noch am Tatabend mit ihr unterwegs gewesen. Später habe die Tochter ihr ein Foto geschickt, wie sie kocht. Die Mutter schilderte weinend, dass sie eingeschlafen sei und erst später auf die Nachricht geantwortet habe - aber keine Antwort mehr gekommen sei.

Wäre sie nicht eingeschlafen, hätte sie vielleicht noch etwas tun können, sagte sie. "Damit komme ich nicht klar." Sie könne sich nicht vorstellen, "jeden Tag damit zu leben und jeden Tag damit zu kämpfen." Sie verstehe auch nicht, weshalb niemand auf die Hilfeschreie der Tochter reagiert habe. "Hätte es irgendjemand im Haus verhindern können?" Diese Frage beschäftige ihre Familie.

Auch die Mutter des getöteten 56-Jährigen sagte, sie sei ungern in das Haus gegangen. Aber sie habe ihrem Sohn - der Drogenprobleme gehabt habe - zeigen wollen, dass sie zu ihm stehe. Mit dem Angeklagten habe ihr Sohn zunächst lockeren Kontakt gehabt, habe ihm etwa bei dessen Einzug geholfen, aber irgendwann schien ihr Sohn Angst vor ihm gehabt zu haben. Die Tat sei für sie schwer zu verkraften. "Ich komme da nicht drüber hinweg", sagte die Rentnerin unter Tränen. "Es ist so furchtbar." Für das Verfahren sind neun weitere Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil könnte am 19. November fallen.