Margit packe an, als wäre es ihr eigenes Gasthaus, und sei immer zur Stelle, wenn Not am Mann ist. Auch nach vier Jahrzehnten sitzt jeder Handgriff. Sie kennt die Preise auswendig, weiß genau, wer welches Essen oder Getränk hatte, und rechnet die Beträge mühelos im Kopf zusammen.
Doch die Verbindung geht längst über die Arbeit hinaus. In 40 Jahren haben Margit und die Wirtsfamilie viele schöne Stunden miteinander erlebt, aber auch schwere Zeiten durchgestanden.
Dazu gehörten auch Trauerfälle in beiden Familien. Gerade in solchen Momenten waren sie füreinander da und gaben sich gegenseitig Halt. So ist aus dem Arbeitsverhältnis über die Jahre eine enge, fast familiäre Verbundenheit gewachsen. Für die drei Töchter von Michaela Betz ist Margit längst wie eine zusätzliche Oma.
Dabei hatte Margit einmal einen ganz anderen Plan. „Wenn die Kinder anfangen, dann höre ich auf“, hatte sie angekündigt. Gemeint war die nächste Wirtsgeneration um Michaela Betz, die das Gasthaus inzwischen seit mehr als zehn Jahren führt.
Als es schließlich so weit war, dachte Margit aber gar nicht mehr ans Aufhören. Zu sehr liegt ihr das Gasthaus mit seinen Gästen und der Wirtsfamilie am Herzen.
Und wer Margit im Gasthaus Bühler erlebt, merkt schnell, dass sie hier einfach dazugehört. Christian Licha