44 Jahre sitzt CSU-Politiker Karl Freller bereits im bayerischen Landtag. Für diesen außergewöhnlichen Meilenstein wurde er nun geehrt - inklusive eines besonderen Geschenks.
Einst warb er mit dem Slogan "Ganz unten" für seine Wahl - nun ist der Nürnberger CSU-Abgeordnete Karl Freller der dienstälteste Parlamentarier des bayerischen Landtags in der Nachkriegsgeschichte. Derzeit ist er nach Angaben des Landtags der dienstälteste aktive Abgeordnete bundesweit, wenn man alle Landtage und den Bundestag zusammenzählt.
"Du bist seit 44 Jahren Abgeordneter", sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) zu Beginn der Plenarsitzung. In Tagen ausgedrückt: Das sind mehr als 16.000 Tage. Für Bayern ist das bisher unerreicht. Tatsächlich überholte Freller zuletzt den bisherigen Spitzenreiter, den ehemaligen CSU-Abgeordneten Thomas Goppel. Aigner lobte Frellers Engagement: "Ein einzigartiger Einsatz für den Parlamentarismus in Bayern und auch in Deutschland", sagte sie.
Nürnberger Abgeordneter Karl Freller erreicht Meilenstein
Aigner hat noch mehr recherchieren lassen: Freller habe bereits sechs Ministerpräsidenten und sechs Präsidentinnen und Präsidenten des Landtags erlebt. Fast wären es auch noch sechs Bundeskanzlerschaften gewesen. Das verpasste Freller nur um fünf Tage, als er 1982 mit damals 26 Jahren in den Landtag gewählt wurde - als bis dahin jüngster Abgeordneter. Damals kandidierte er auf dem letzten Listenplatz, erzählt Freller. "Da habe ich mit dem Slogan 'Ganz unten' geworben." Der damals 26-Jährige schaffte es in den Landtag - und blieb dort bis heute. Neunmal wurde er seither wiedergewählt.
Bei der letzten Landtagswahl 2023 holte er im Stimmkreis Nürnberg-Süd erneut mehr als 40 Prozent der Erststimmen. Seit 1982 ist er in rund 250 Plenarprotokollen als Redner aufgeführt, sagte Aigner, die ihrem Parteifreund eine große Collage überreichte, auch mit alten Fotos, einschließlich Franz Josef Strauß und anderen. Freller war Mitglied und stellvertretender Vorsitzender in acht verschiedenen Ausschüssen. Zeitweise war er Fraktionsvize, einige Jahre lang Staatssekretär, und schließlich war Freller einige Jahre auch Vizepräsident des bayerischen Landtags. Seit 18 Jahren ist er zudem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.
Und nun? Was plant Freller bei der nächsten Landtagswahl? "Kandidieren", antwortet der heute 70-Jährige - wenn die Delegierten zu Hause dies möchten. "Ich fühle mich sehr fit", betont er - und weist darauf hin, dass rund 20 Prozent der Wahlberechtigten in Bayern heute über 70 Jahre alt sind. Es sind auch noch andere Rekorde in Sicht: Der ehemalige CDU-Politiker Wolfgang Schäuble etwa war von 1972 bis zu seinem Tod 2023 ununterbrochen Mitglied des Deutschen Bundestags. Da kommt Freller nicht ran. Noch nicht.