Er greift nach den Sternen

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Blick ins All: Marco Depner fotografiert mit moderner TechnologieEva Aull
Blick ins All: Marco Depner fotografiert mit moderner TechnologieEva Aull
Der Orionnebel im Sternbild Orion.Marco Depner
Der Orionnebel im Sternbild Orion.Marco Depner
 
Die Andromedagalaxie.Marco Depner
Die Andromedagalaxie.Marco Depner
 

Marco Depner aus Knetzgau hat ein besonderes Hobby: Astrofotografie

Er sieht den Sternehimmel und heißt nicht Hubert Kah : Marco Depner fotografiert Sterne, Planeten , Nebel und andere Himmelskörper in einer Entfernung von zum Teil vielen hundert Lichtjahren. Ermöglicht wurde ihm dies durch die digitale Foto-Technik.

Der Himmel ist klar, es ist 22 Uhr und der Treffpunkt eine Lichtung tief im Steigerwald. Kein künstliches Licht weit und breit. Depner stellt seinen Fotoapparat auf das Stativ, richtet ihn gen Norden aus und gibt ihm über sein Handy freien Lauf.

Alle zehn Sekunden ein Bild, stets das gleiche Motiv. Die Aufnahmen setzen sich automatisch zusammen, und immer präziser erscheint das Aufgenommene auf dem Bildschirm,. Farben tauchen auf, Spektralfarben, „Das sind die Sternnebel“, erklärt er und zoomt näher ran. Konturen werden erkennbar, präzisieren sich. Bekommen Farbe. Eine Sternstunde.

Der 55-Jährige berichtet, wie er zu seinem ungewöhnlichen Hobby kam. Die Faszination für Licht mit allen seinen Farben und Facetten sei ihm in die Wiege gelegt worden. Schon als Kind fühlt er sich angezogen vom Sternenhimmel und macht sich so seine Gedanken. Mit zwölf nimmt er an dem Preisausschreiben teil und gewinnt ein Teleskop , „so ein langes rotes Rohr“.

„Ab dem Zeitpunkt war ich echt angefixt.“ berichtet der Knetzgauer, der in der Gemeindeverwaltung nicht die Sterne, sondern als Kämmerer das Geld zählt. „Und jetzt war der Punkt da, wo ich was in der Hand habe, womit ich mich echt beschäftigen kann.“ Lange hält die Begeisterung nicht an, denn das Teleskop ist nur ein besseres Spielzeug, mit dem er den Mond anvisieren kann, aber nicht wirklich detailreich.

Der Jugendliche kommt in die Realschule nach Haßfurt. „Dort gibt es ja auch die Beobachtungskuppel für Sterne, doch ich habe nie den Zugang bekommen“. Jammerschade, bedauert er noch heute, weil es sich für ein Schulprojekt richtig anbiete.

Regiomontanus grüßt

Die Astro-Kuppel auf dem Schulzentrum ist eine Reminiszenz an den Namensgeber des Regiomontanus-Gymnasiums, den Mathematiker Regiomontanus aus Königsberg, der die präzisesten Sternkarten seiner Zeit zeichnete.

Der Heranwachsende besorgt sich in der Bibliothek Bücher zum Thema Astronomie, „aber das waren dann böhmische Dörfer, für mich viel zu kompliziert“.

Er setzt andere Schwerpunkte in seinem Leben. Beginnt zu fotografieren, und frönt seinem zweiten Hobby, dem Ultralauf. Bis in die Nachtstunden ist er unterwegs, sieht das Himmelsgestirn, bekommt mit, wie sich die Sternbilder immer wieder wechseln. Er sind Geschichten, die ihn bewegen: „Was steckt hinter den Sternen? Kann man das ablichten?“

Es folgt die nächste Sternstunde: 2025 macht der Unterfranke Urlaub auf der Insel Norderney. Dort steht eine Sternwarte „ganz urig, in einem Schrebergarten, eine Baracke eigentlich!“ Die Gemeinde bietet Führungen an, Thema: Deep-Space Fotografie. „Mensch, jetzt gucken wir uns das doch mal an“, sagt er seiner Lebensgefährtin.

Jetzt geht es los

Für den Urlauber wird es zu einer Offenbarung: Bilder hängen an der Wand, die man mit erschwinglichen Geräten, so um die 500 Euro herum, machen kann: Galaxien, Sternennebel, Emissionsnebel, Reflexionnebel.

„Der Mann hat es verstanden, uns die technischen Möglichkeiten der smarten Teleskope zu zeigen!“ Und von da ab ist er wieder in diesen Modus als Kind, zurückversetzt. Er besorgt sich eine Ausrüstung und legt los.

Viele Stunden gibt er seitdem seiner Kamera freien Lauf. Er erzeugt faszinierende Bilder, und kommt nicht aus dem Grübeln heraus. Millionen von Jahren ist das Licht schon im All unterwegs, jetzt hat seine Linse es aufgefangen. Und was verbirgt hinter den Sternennebeln, was ist in diesem Zusammenhang Zeit und Raum?

Die Großartigkeit all dessen, was er zu sehen bekommt, lässt ihn demütig werden. Liebe zu den Sternen? Hubert Kah hat es geahnt: Oh, Himmel, lass mich bei ihr sein. Oh, Sterne, kann denn Liebe Sünde sein?