Warum setzen der Iran und die USA auf Pakistan statt auf andere Vermittler? Und welche Motive verfolgen die Gastgeber? Hinter den Kulissen der Krisendiplomatie.
Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sollen an diesem Freitag in Pakistan Gespräche über eine Beilegung des Iran-Konflikts beginnen. Pakistanischen Sicherheitskreisen zufolge werden die Delegationen der USA und des Irans zuerst Gespräche auf Expertenebene führen. Danach sollen sich führende Regierungsvertreter am Samstagvormittag zu politischen Verhandlungen treffen.
Das Regierungs- und Diplomatenviertel in Islamabad wurde abgeriegelt. Strenge Sicherheitsvorkehrungen gelten für die gesamte Hauptstadt. Das «Serena»-Hotel sei komplett leer geräumt, hieß es aus Sicherheitskreisen weiter. Die wichtigsten Hintergründe und Fakten zu den bevorstehenden Verhandlungen:
Welche Rolle spielt Pakistan für die USA und den Iran?
Die USA brachen am 7. April 1980 die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Die Vorgeschichte: Iranische Studenten besetzten im Zuge der islamischen Revolution im Iran am 4. November 1979 die US-Botschaft und nahmen amerikanische Diplomaten und Mitarbeiter 444 Tage lang in Geiselhaft. Pakistans Botschaft in Washington vertritt inzwischen seit mehr als drei Jahrzehnten iranische Interessen in den USA.
Warum ist Pakistan für den Iran diesmal erste Wahl?
Obwohl Pakistan nicht als politischer Verbündeter des Irans gilt, hat Islamabad die Führung in Teheran nie offen provoziert. Außerdem gehört Pakistan keiner Militärkoalition gegen den Iran an. Trotz gelegentlicher Spannungen pflegen beide Länder seit Jahrzehnten ein Verhältnis, das weniger von Ideologie und mehr von geopolitischem Pragmatismus geprägt ist. Beide Länder teilen nicht nur eine 900 Kilometer lange Grenze, sondern zahlreiche religiöse und kulturelle Gemeinsamkeiten sowie vielfältige sicherheitspolitische Herausforderungen.
Ein weiterer Punkt, der für Pakistan spricht: Trotz massiver internationaler Sanktionen gegen den Iran bestehen enge bilaterale Wirtschaftsbeziehungen. Ein Beispiel sind Tauschgeschäfte, bei denen Waren gegen Waren ausgetauscht werden, ohne dass US-Dollar oder internationale Banküberweisungen fließen müssen. Ferner gibt es Grenzmärkte. Pakistan hat sich zwar stets zurückgehalten, um nicht in Konflikt mit westlichen Sanktionen zu geraten, sucht aber eine regionale Wirtschaftskooperation mit dem Iran.
Hätte es nicht auch Alternativen wie die Türkei gegeben?
Für den Iran ist Islamabad akzeptabler als westliche oder arabische Hauptstädte. Ein Grund: In der Region verfügt der Iran - vor allem jetzt auch wegen seiner Angriffe auf Golfstaaten - über wenige Länder, die als Freunde und Vermittler infrage kämen. Katar und Oman haben mehrfach vermittelt. Omans Bemühungen waren zuletzt nicht von Erfolg gekrönt. Die Türkei gilt für Teheran aufgrund ihrer Nato-Mitgliedschaft nicht als vollständig neutral. Russland ist durch den Ukraine-Krieg selbst international isoliert.
Spielen persönliche Beziehungen bei der Wahl Pakistans eine Rolle?
In der Diplomatie genießt US-Präsident Donald Trump eine Sonderstellung, sehr viel hängt davon ab, mit wem er kann oder eben nicht kann. Und wenn Trump seinen Partner nicht nur als «großartigen Anführer», «großartigen Kämpfer», «hoch respektierten General» oder «Lieblingsfeldmarschall» tituliert, dann spricht das Bände über sein Verhältnis zum pakistanischen Armeechef Asim Munir. Das persönliche Verhältnis festigte sich vor allem durch Munirs Rolle bei der Deeskalation des Grenzkonflikts 2025 mit Indien. Trump dankte ihm öffentlich dafür. Das Verhältnis des US-Präsidenten zu Premier Shehbaz Sharif wird oft als Arbeitsbeziehung beschrieben. Den Entscheider sieht Trump demnach in Munir.